VAE – Vereinigte Arabische Emirate

Vereinigte Arabische Emirate

Es ist ein kultureller Schock, wenn man von Iran in die Vereinigen Arabischen Emirate  – konkreter: Dubai – einreist. Vorher das wirtschaftlich gebeutelte Land, das international isoliert ist und nun eine völlig sterile, saubere Welt, die aus dem (fast) Nichts erschaffen wurde. Beton und Glas sprießen aus dem Sand und das Geld scheint auf den Straßen zu liegen. Wir drei waren viele Stunden vor unseren beiden Freunden da, die am frühen Morgen nachkommen sollten. Für die beiden war ein Hotel gebucht, für uns nicht. Wir ärgerten uns, dass wir uns nicht darum gekümmert haben, denn wir fanden tatsächlich nichts. In Dubai! Das lag zum einen an den Hotelpreisen – für 300 Euro hätten wir was bekommen – zum anderen am persischen Neujahresfest. Aber: Was nicht passt, wird passend gemacht, also mieteten wir uns ein Auto und übernachteten einfach darin auf einem Parkplatz direkt gegenüber der Luxushotels. Natürlich waren wir total fertig, als wir unsere Freunde abholten, aber wir hätten auch 300 Euro ausgeben können. 😉 Das Hotelproblem bekamen wir nur schwer in den Griff, denn auch im Hostel mussten wir jeden Tag aufs Neue bangen, ob wir das 3er Zimmer weiter halten durften. Erst die letzten 3 Nächte hatten wir dann eine sichere Unterkunft.

Wir fünf stürzten uns in Dubai erst mal in die grandiose Dubai Mall, ein unglaubliches Shopping Center, in dem wir – immer noch akklimatisiert auf iranische Verhältnisse – Bauklötze staunten. Ein mehrere Stockwerke hohes Aquarium tat seinen Anteil daran, genauso wie die Eislaufhalle. Die Anlage draußen ist nicht minder beeindruckend: Der Burj Khalifa, das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt, von vielen ironisch “Zahnstocher” genannt steht hinter einem künstlichen See mit einer Wassershow, die Ihresgleichen sucht. Untermalt mit Musik wird eine schöne Show mitten in dieser völlig künstlichen Umgebung inszeniert. Weiter fuhren wir an den Strand, wo auch das nach eigenen Angaben “beste Hotel der Welt” steht: Das Burj al Arab ist konstruiert wie ein großes Segel und hat offiziell fünf Sterne, aber eine Ausstattung, die weit über das Notwendige für diese Gruppierung hinausgeht. Daher sprechen viele auch von 7 Sternen. Allgemein gilt es aber als luxuriöseste Hotel der Welt. Am Strand irritierten wir mit unseren akrobatischen Darbietungen, die uns Sarah beibrachte. Immer diese blöden Touristen!

Besucher bestaunen das riesige Aquarium der Dubai Mall.

Besucher bestaunen das riesige Aquarium der Dubai Mall.

Auf der Rückfahrt zu unserem – deutlich günstigeren(!) – Hotel besuchten wir noch die “Mall Of The Emirates”, die nicht weniger pompös als die Dubai Mall gleich über eine eigene Skihalle verfügt. Diese Halle ist derart groß (man beachte das Foto), dass man darin tatsächlich zu einem horrenden Preis passabel fahren kann. Warum baut man eine Skihalle – die ja noch gekühlt werden muss – mitten in die Wüste? Die Antwort kam von einem Einheimischen recht schnell: “Because we can!” Klar. Das leuchtet ein. Auch den überdimensionierten Spielzeugladen mussten wir sehen und wurden endlich wieder zu kleinen Kindern!

"Because we can!" - Eine Skihalle in der Wüste.

“Because we can!” – Eine Skihalle in der Wüste.

Am nächsten Tag fuhren wir mit unserem Mietwagen nach Abu Dhabi. Noch während wir aus Dubai herausfuhren merkten wir, dass man hier wirklich kein Understatement kennt: Die siebenspurige Ausfallstraße führt durch die Hochhausschluchten in die Wüste und verläuft direkt neben der selbstredend ebenfalls siebenspurigen Einfallstraße. Eine Weile muss man schon fahren bis man da ist. Unser erster Halt war das Palace Hotel in Abu Dhabi. Ich fragte mich, wo eigentlich die Grenzen sind, als wir dort durch die gigantische Lobby und die Anlage liefen. Sogar die Toiletten waren goldverziert und die Waschbecken aus Mamor. Wir hatten nun so viel Künstliches gesehen, da kam uns das Heritage Village nur recht. Man versprach uns einen Einblick in die Kultur der Emirate, bevor das mit dem Luxus, Bauboom und Öl losging. Wir wurden allerdings enttäuscht. Ein paar Hütten hat man den Touristen hingestellt, vollgestopft mit Souvenirläden mit Produkten aus China. Aber dennoch war der Kontrast sehenswert. Eine Holzhütte im Vordergrund und dahinter die Skyline Abu Dhabis. Dieser Anblick ist wirklich bezeichnend für dieses Land.

Das Palace Hotel in Abu Dhabi.

Das Palace Hotel in Abu Dhabi.

Bezeichnende Kulisse für die Emirate.

Bezeichnende Kulisse für die Emirate.

Dagegen war die Moschee, die wir besuchten ein wahres Highlight. Der Gigantismus macht zwar hier ebenfalls keine Abstriche, denn die Sheikh-Zayid-Moschee bietet Platz für 40.000 Gläubige und einen der größten Teppiche der Welt. Sie ist komplett in Weiß gehalten, was für die Augen eine Herausforderung ist angesichts des stechenden Sonnenlichts.

Eine der größten Moscheen der Welt in Abu Dhabi.

Eine der größten Moscheen der Welt in Abu Dhabi.

Am Ende des Tages statteten wir noch der Formel-1-Strecke einen Besuch ab, der einzigen, die durch ein Hotel durchführt. Auf die Strecke dürfe man nicht, wurde uns gesagt. Aber nach kurzem Plausch und Augenflattern ließ sich die Dame vom Besucherzentrum doch noch überreden und wir standen kurz auf der Rennbahn. Wenn man seinen Sportwagen oder ähnliches selbst mitbringt, ist es übrigens kein Problem einfach mal – gegen eine sehr hohe Gebühr versteht sich – selbst eine Runde zu drehen. Mit Geld kann man in diesem Land wirklich fast alles kaufen.

Am nächsten Tag tauschten wir unser Auto gegen einen großen Geländewagen und fuhren dieses Mal weiter als Abu Dhabi in den Süden des Landes zur Liwa Oase. Irgendwas Ursprüngliches muss es hier doch noch geben, oder? Mit viel Wasser und Proviant bepackt liefen wir am Ende einer Straße in die Wüste hinein und trugen Zelte, Gaskocher u.v.m. bis zu einer Stelle, die wir als Lager definierten. Wir bauten die Zelte auf, kochten, aßen und liefen die Dünen hoch und runter. Ein Einheimischer fuhr uns noch mit einem Buggy in rasanter Geschwindigkeit über die Dünen und im Anschluss sahen wir uns den schönen Sonnenuntergang an.

Unser Camp in der Nähe der Liwa Oase.

Unser Camp in der Nähe der Liwa Oase.

Weiter ging es nach einer Nacht im Zelt in die Moreeb Dune Area, die wir gestern nicht gefunden haben. Über eine Straße fuhren wir mitten ins Nichts. Nur ein Handymast weit oben auf einer Düne lockte uns nach oben und wir trauten uns mit dem Jeep die Düne hochzufahren. Und das lohnte sich. Hier war wirklich das Ende der Welt. Hunderte Kilometer der Rub-al-Khali lagen vor uns und bis zur Grenze des Jemen, des Omans und Saudi Arabiens – und darüber hinaus – kam einfach nichts. Ich mag solche Orte. Sie sind der Inbegriff der Freiheit, die gleichzeitig zeigen, wie klein man doch in dieser Welt ist.

Das Ende der Welt. Von hier sind es hunderte Kilometer bis zur nächsten Zivilisation.

Das Ende der Welt. Von hier sind es hunderte Kilometer bis zur nächsten Zivilisation.

 

Aber wo ist eigentlich die Ursprünglichkeit des Landes? Um das herauszufinden fuhren wir an unserem letzten Tag in die kleineren Emirate Sharjah, Ajman, und Umm Al Quwain, die die meisten Touristen leider links liegen lassen. Ein paar Dinge sind noch erhalten: Da wären zum Beispiel  Fischmarkt, Gemüsemarkt und Tiermarkt in Sharjah und die alten Gemäuer in Ajman.  Einen kleinen Badestopp in Umm-Al-Quwain legten wir ebenfalls ein. Wir realisierten allerdings auch sehr schnell, dass der Großteil der Ursprünglichkeit dem Beton und Glas weichen musste. Wieder zurück in Dubai blieb uns noch das große – und teure – Vergnügen auf die zweithöchste Aussichtsplattform der Welt auf dem Burj Khalifa zu fahren, für die man 25 Euro pro Person berappen und das Ticket vier Tage im Voraus kaufen muss. Doch die Fahrt nach oben lohnt sich: Nach Sonnenuntergang ist dieser Ausblick wirklich spektakulär. Dubai wirkt wie eine große Spielzeuglandschaft, die im Lichtermeer versinkt. Aufgrund der Höhe und der Geschwindigkeit der Aufzüge sind intensive Bauchgefühle vorprogrammiert. Sollte dieser Nervenkitzel immer noch nicht reichen, gibt es ein Fenster auf 452 Metern. Und das ist offen – versteht sich. So genossen wir den Ausblick und einen gelungenen Abschluss unserer Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Fischmarkt in Sharjah.

Fischmarkt in Sharjah.

Blick vom Burj Khalifa auf das nächtliche Dubai.

Blick vom Burj Khalifa auf das nächtliche Dubai.

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