Budapest

Was passiert, wenn man zum Hauptbahnhof fährt und einfach in den Zug steigt, der am weitesten wegfährt? Man bekommt ein kleines Abenteuer! Und auch Teil der Idee: Ein kleiner Tagesrucksack mit Kamera, Kulturbeutel, Handtuch und einem Set Wechselkleidung war alles, was wir mitnehmen. Aus dieser Idee ist eine kleine Reise nach Budapest entstanden, einfach, günstig, aber mit unvergesslichen Momenten.

 

Es war drei Uhr und wir legten uns schlafen. Wir fuhren seit 23.30 Uhr und unterhielten uns zuvor mit der einzigen Mitreisenden in unserem Abteil, einer Ungarin mittleren Alters, die nun in Deutschland lebt. Vor dem Gespräch sah sie alles schwarz. Dieses Land ist schlecht, der Freund ist schlecht, die Familie des Freundes noch schlimmer und generell… naja. Wir unterhielten uns über Krisen, Politik und vor allem das Reisen. Nachdem ich erzählt hatte, wo ich schon überall war und was ich gesehen habe, sah sie ein, dass es so schlimm gar nicht sein könnte, worauf ich bestand. Sie wollte mehr wissen vom Reisen, denn sie träumte innerlich davon. Eigentlich hielt sie nichts ab davon, die Zeit ist da, das Geld eigentlich auch. Und dennoch hat sie es nie gemacht und lebt vor sich hin. Außerdem wollten wir vieles wissen vor allem von Budapest und was uns dort erwartet. Wir hatten scheinbar Glück. Schon am nächsten Tag ist der Nationalfeiertag mit großen Festlichkeiten. Die Frau schwärmte vom Essen, von der Kulisse und den Menschen dort. Nach diesem Gespräch flammte ein Stück Hoffnung in ihren Augen auf. Wir hatten ihr offensichtlich geholfen.

 

Erst in Ungarn wachten wir auf und unser Abteil füllte sich. Eine ältere Frau und ein junger Mann setzten sich dazu. Die Frau verkauft zu den Feierlichkeiten Flechtkunst aus Stroh. Wir kauften ihr zwei schöne Figuren ab und nach diesem Gespräch waren wir auch schon um ca. 9 Uhr in Budapest. Der Bahnhof ist viel kleiner als bei uns und die Hotelsuche ist übrigens keine große Herausforderung. Einige Schlepper, wie man sie auch aus Asien kennt, stehen da und “führen” zu Unterkünften. Zimmer, wie in unserem Fall für 15 Euro pro Person und Nacht gibt es genügend.

Blick von der Burg aus bei Nieselregen.

Blick von der Burg aus bei Nieselregen.

In dieser Stadt könnte man den ganzen Tag Essen.

In dieser Stadt könnte man den ganzen Tag Essen.

 

Unsere Idee mit dieser Kurzreise drohte aber ins Wasser zu fallen, denn Nieselregen setzte ein. Die Herbergsinhaberin, die übrigens sehr freundlich und hilfsbereit ist, sagte uns sogar, dass bei sehr schlechtem Wetter das Feuerwerk ausfallen würde. Das wäre natürlich schade. Bei ungemütlichem Regenwetter fuhren wir zuerst auf die Burg mit dem tollen Ausblick. Viele Verkaufsstände mit Köstlichkeiten wie Käse und Salami standen hier. Wir wollten die tollen Strudel probieren, aber für vier Euro? Das ist ja ein Wucher! Die Aussicht war wegen des Regens nicht so der Hit, aber am heutigen Tag zumindest umsonst. Weiter fuhren wir in die Stadt und aßen – natürlich – Gulasch. Es war das beste Gulasch, dass ich je aß – und das teuerste. Leider wurde der Regen immer schlimmer. Schließlich beschlossen wir zum Hostel zu fahren und erst einmal ein bisschen zu schlafen. Danach konnten wir ja immer noch das Parlament besichtigen (innen) und in eines der tollen Schwimmbäder gehen, um dem Wetter zu entfliehen. Der erste Eindruck von der Stadt? Naja. Unfassbar teuer und schlechtes Wetter. Schlimmer kann es kaum kommen. Ok, ja. Das Essen war tatsächlich super!

Die U-Bahn in Budapest lieg sehr tief unter der Erde.

Die U-Bahn in Budapest lieg sehr tief unter der Erde.

Gegen frühen Nachmittag wachte ich auf. Ich war immer noch müde und hatte definitiv keine Lust in dieses Sauwetter zu gehen. Dann blickte ich vom Bett durch das Fenster in den Himmel und sah: Blau. Keine Wolken. Sonne an der gegenüberliegenden Fassade. Es konnte losgehen. Ich weckte Elisabeth und wir waren schnell abmarschbereit. Noch schnell einen Donut (über 2 Euro!) und gingen zur U-Bahn. Doch was war das? Eine Wechselstube mit Aushang der aktuellen Kurse. 1:315? Moment mal. Wir rechneten die ganze Zeit mit 131! Schnell wurde es uns klar. Der Strudel? 1,90 Euro! Der Donut? Nicht mal 90 Cent! Und das wuchtige Gulasch? 7 Euro, aber mit Getränk. Hätten wir das richtig gerechnet, dann wäre Zurückhaltung den ganzen Tag ein Fremdwort gewesen!

 

Dämmerung an der Donau.

Dämmerung an der Donau.

Blick auf den Amtssitz des Präsidenten.

Blick auf den Amtssitz des Präsidenten.

Die U-Bahnen sind genau wie die Stationen klein, eng und voll. Nachdem wir den Sonnenuntergang auf der Burg leicht verpassten – der Blick war bedeutend besser – eilten wir in die Stadt. Und als wir beim Parlament aus der Enge herauskamen, staunten wir umso mehr, was da für ein Gebäude vor uns stand. Es war von schier unglaublicher Größe. Zehntausende Menschen hatten sich schon eingefunden für das große Feuerwerk. Wir sicherten uns einen der wenigen guten Plätze und warteten bis es losging. Die Dämmerung hier zu sehen ist unvergleichlich schön. Das Panorama hat es in sich. Um 21 Uhr ging das Feuerwerk los. Die Menschenmassen, inzwischen hunderttausende jubelten. Mit Musik unterlegt, sahen wir ein Feuerwerk der Extraklasse und das größte unseres Lebens. Immer wenn man dachte, dass es vorbei ist, kam es noch kräftiger und schöner. Eines der Lieder war sogar die Europahymne. Man ist wohl stolz, zur EU zu gehören.

Kurz vor dem Feuerwerk sieht man hunderttausende Menschen an der Uferpromenade.

Kurz vor dem Feuerwerk sieht man hunderttausende Menschen an der Uferpromenade.

 

Gespannt warten alle auf das Feuerwerk.

Gespannt warten alle auf das Feuerwerk.

So wird hier der Unabhängigkeitstag gefeiert.

So wird hier der Unabhängigkeitstag gefeiert.

Budapest lässt es richtig krachen.

Budapest lässt es richtig krachen.

Wenn man denkt, das war der Höhepunkt wird selbstverständlich nachgelegt. Mehrmals. Auch mit Musik wird das Feuerwerk untermalt.

Wenn man denkt, das war der Höhepunkt wird selbstverständlich nachgelegt. Mehrmals. Auch mit Musik wird das Feuerwerk untermalt.

Der Hunger trieb uns in einer der unzähligen Imbissbuden und wir bekamen ein mehr als stattliches Menü. Das war ein toller Ausklang des Tages, der ja so unheilvoll begann. Wir spazierten noch ein wenig durch die Nacht und warfen einen Blick auf die beleuchteten Gebäude. Im Hostel fielen wir mitten in der Nacht sofort in den Tiefschlaf.

Arabische Küche. Viel zu viel für uns. Trotzdem war nachher alles weg.

Arabische Küche. Viel zu viel für uns. Trotzdem war nachher alles weg.

Toller Anblick: Das Parlament bei Nacht.

Toller Anblick: Das Parlament bei Nacht.

Der Schlaf dauerte nicht lange, denn wir wollten uns noch einiges ansehen. Immerhin mussten wir in der nächsten Nacht schon wieder abreisen. Unser Besuch galt zuerst der großen Synagoge, die wir fußläufig erreichen konnten. Sie ist sowohl innen als auch außen wunderschön. Ein Guide erklärte uns sehr viel zur Architektur und zum Judentum generell. Als nächstes war die große Markthalle auf dem Programm, wo wir zu Mittag aßen und uns von den vielen Ständen beeindrucken ließen. Elisabeth traf hier tatsächlich eine Schulfreundin von früher. Welch ungewöhnlicher Zufall. Im Gallertbad wollten wir ursprünglich schwimmen gehen, aber das Wetter war zu gut und die Zeit schon sehr fortgeschritten. Wir wählten also dann doch den anstrengenden Weg zur alten Zitadelle und wurden mit einem tollen Blick über Budapest belohnt.

Die große Synagoge ist innen und außen prächtig.

Die große Synagoge ist innen und außen prächtig.

Hier gibt es alles. Vor allem ungarische Spezialitäten.

Hier gibt es alles. Vor allem ungarische Spezialitäten.

Blick auf die Burg von Budapest vom Gallert-Berg aus.

Blick auf die Burg von Budapest vom Gallert-Berg aus.

Im Parlament gab es für heute leider keine Karten für die Führungen mehr, also schlenderten wir durch die Straßen mit dem Ziel, einen Blick in das legendäre Café Gerbeaud zu werfen. Auf dem Vorplatz war ein kleines Volksfest aufgebaut mit Ständen, traditionellem Essensangebot und Livemusik. Eine schöne Atmosphäre. Immer noch war das Wetter genau richtig. Unsere letzte Sehenswürdigkeit sollte die Kettenbrücke sein, bevor wir zurück ins Hotel gingen. Eigentlich wollten wir noch das Nachtleben erkunden, aber wir waren einfach zu müde. Klar nach so einer Fahrt und diesem Besichtigungsprogramm.

Volksfeststimmung in der Stadt.

Volksfeststimmung in der Stadt.

...und auch hier gibt es natürlich wieder ungarische Köstlichkeiten.

…und auch hier gibt es natürlich wieder ungarische Köstlichkeiten.

Die Kettenbrücke mit den majestätischen Löwen davor.

Die Kettenbrücke mit den majestätischen Löwen davor.

Der Wecker riss mich aus dem Schlaf. 3:45 Uhr. Oh mein Gott, noch so eine kurze Nacht. Das mit dem Schlaf ist bei der Kurzreise so eine Sache. Aber egal. Schnell Elisabeth wecken, packen und ab zum Bahnhof. Wir sind viel zu spät losgegangen, waren aber um 4:45 Uhr am Bahnhof. Der Zug sollte um 5 Uhr gehen, aber uns wurde gesagt, er würde ausfallen. Na toll, und dafür sind wir so früh aufgestanden? Die Mitarbeiter im Reisezentrum waren sehr unfreundlich und wussten rein gar nichts. Wir fanden heraus, dass der Zug doch fahren sollte. Mit einer Verspätung von 30 Minuten. Im Abteil fielen wir sofort in den Schlaf. Doch er sollte nicht lange dauern. Für die Fahrscheinkontrolle wurden wir immer wieder geweckt. Ein Mann, der einzige Mitreisende im Abteil weckte uns dann schließlich mit gebrochenem Englisch: “Hey you! Finish here! Vienna!” Ich blickte müde aus dem Zug und sah “Wien Westbahnhof”. Na toll, wir hatten den Hauptbahnhof verschlafen. Also schnell ins Reisezentrum, nur um wieder die stinkigen Mitarbeiter zu erleben. Der Mann lächelte warmherzig und mit dem sympathischen Wiener Akzent stellte er klar: “Kein Problem. Der nächste Zug nach Salzburg geht in wenigen Minuten. Ich druck Ihnen die Verbindung aus. Eine gute Reise.” Wir sahen ihn baff an. So geht das! Der Schnellzug rauschte nach Salzburg. Von dort gab es einen weiteren nach München. Wir waren wieder zuhause und dieses Mal sollte ich wirklich ewig schlafen.

3 thoughts on “Budapest

  1. […] Was passiert, wenn man zum Hauptbahnhof fährt und einfach in den Zug steigt, der am weitesten wegfährt? Man bekommt ein kleines Abenteuer! Und auch Teil der Idee: Ein kleiner Tagesrucksack mit Kamera, Kulturbeutel, Handtuch und einem Set Wechselkleidung war alles, was wir mitnehmen. Aus dieser Idee ist eine kleine Reise nach Budapest entstanden, einfach, günstig, aber mit unvergesslichen Momenten. Weiter… […]

  2. Tolle Idee, und sehr schöne Fotos! Ein kleiner Kurzurlaub sogar für den Leser. 🙂 Ich wollte schon ewig mal nach Budapest, und jetzt umso mehr. Danke für die Inspiration!

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