Indonesien II – Bali, Gili Islands und Lombok

Indonesien II – Bali, Gili Islands und Lombok

Die Inselwelt von Indonesien bietet einiges. Von Reisterrassen, über Tempel bis hin zu Traumstränden. Und leider ist dies auch ein Bericht darüber, wie es auf einer Reise auch mal ungemütlich werden kann. Wichtig ist nicht passiert, sondern wie man darauf reagiert.

Gleich noch in der Nacht gingen wir auf Hotelsuche und landeten in einem kleinen, aber ganz passablem Hotel. Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus direkt nach Ubud. Die Stadt ist wirklich perfekt für Touren in die Umgebung. Ich sah zum ersten Mal in meinem Leben Reisterrassen. Wunderschön. Ohne großartig trekken zu müssen, ist man in wenigen Minuten aus der Stadt raus und sieht die wunderschön angelegten Terrassen. Wir durchstreiften das Gebiet in einer Tageswanderung und konnten gar nicht genug kriegen. Das Wetter sorgte aber dafür, dass wir ordentlich schweißgebadet waren.

Reisterassen in der Nähe von Ubud.

Reisterassen in der Nähe von Ubud.

Das Feld wird bestellt. Eine Idylle auf Bali.

Das Feld wird bestellt. Eine Idylle auf Bali.

Ubud selbst bietet auch einiges. Hier wimmelt es von hinduistischen Tempeln. Man sieht endlich mal den Hinduismus in seiner reinen Form. Das hier ist keine Touristenattraktion, sondern echt. Die Menschen kommen aus den Häusern, gehen vor unseren Augen im Tempel beten und verschwinden wieder, ohne Kenntnis davon zu nehmen, dass noch jemand überhaupt da ist. Die Tempel selbst sind wunderschön verziert, meistens mit Stoffen und Blumen und fast jede Familie hat hier einen eigenen Tempel.

In Ubud gibt es viele sehr alte Tempel. Man beachte das Symbol am oberen Ende! Es ist aber nicht das für was man es hält, sondern es symbolisiert nur die Sonne.

In Ubud gibt es viele sehr alte Tempel. Man beachte das Symbol am oberen Ende! Es ist aber nicht das für was man es hält, sondern es symbolisiert nur die Sonne.

Die Wächter der Tempel schauen grimmig, sind aber sehr kunstvoll.

Die Wächter der Tempel schauen grimmig, sind aber sehr kunstvoll.

Ein Besuch wert ist auch der Affenpark in Ubud. Ok, zugegeben: Das ist schon sehr touristisch und eine ganz schöne Show. Es macht allerdings schon Spaß, mit den Affen direkt zu spielen, um Wasserflaschen zu kämpfen und ihnen zuzuschauen. Auch für die Kamera ist der Park ein Highlight, denn die alten verlassenen Tempel bieten eine tolle Kulisse. Irgendwann sprang ein kleiner und sehr frecher Affe auf mich, riss mir die Wasserflasche aus den Händen und sprang weg. Er biss den Deckel ab, spuckte ihn weg und trank die Flasche leer. Das war schon ein sehr lustiger Anblick. Die Touristen außenherum grölten vor Lachen. Aber was uns langsam störte (eigentlich seit dem wir auf der Insel angekommen waren) ist, dass es hier einfach viel zu viele Touristen gibt und die Preise im Landesvergleich deswegen ziemlich hoch sind. Bali ist auch eine Massentouristeninsel, gar keine Frage. Das ist nicht so unseres und wir suchten etwas mit mehr Abenteuercharakter, was wir dann definitiv bekommen sollten.

Hey, Finger weg! Die gehört mir!

Hey, Finger weg! Die gehört mir!

Wir fuhren erst mit einem Bus an den Hafen und stiegen in ein Speedboot voller Touristen an. Uns schwante böses, als wir unzählige halbnackte Backpacker mit Gitarren, Bierflaschen, Marihuana usw. sahen. Was die Indonesier dazu denken, möchte gar nicht wissen. Das hat mit der Kultur des Landes nicht mehr viel zu tun. Unser gemeinsames Ziel: Die Gili Inseln. Und wenig später kamen wir an, an einem weißen Strand mit vielen Palmen. Eigentlich traumhaft schön. Aber das was wir ahnten kam schnell. Ein Mann in einem langen schwarzen Mantel (bei der Hitze!) kam auf uns zu und fragte, was wir wollen. “Hasch, Marihuana, Speed, Magic Mushrooms, young Girls?” Wir lehnten dankend ab. Laute Musik dröhnte schon von den Strandclubs rüber, wir sahen uns an und wussten, dass wir schleunigst weg wollen. Wo ist das, was uns versprochen wurde? Ruhe, Unberührtheit usw. Nichts davon war an diesem Ort, der auf den ersten Blick echt schön wirkt.

Speedboat nach Gili Trawanang. Eine Partyinsel zum abgewöhnen. Wunderschön ist es dagegen auf Gili Meno nebenan.

Speedboat nach Gili Trawanang. Eine Partyinsel zum abgewöhnen. Wunderschön ist es dagegen auf Gili Meno nebenan.

Auf den ersten Blick ein Traum! Anfahrt auf Gili Trawanang.

Auf den ersten Blick ein Traum! Anfahrt auf Gili Trawanang.

Aber wir wussten auch, dass die Gili Inseln aus drei Inseln bestehen. Und am Horizont zeichnete sich schon Gili Meno ab. Na gut, das geht ganz einfach: Leonardo di Caprio hat es in “The Beach” auch nicht anders gemacht. Die Strecke ist zwar weit, aber nicht unmöglich zu schwimmen. 🙂 Aber zum Glück hatte ich im Reiseführer gelesen, dass man das unterlassen sollte. Die Inseln teilen zwei Meere und das eine ist tatsächlich deutlich höher als das andere. Und dazwischen ist eine derart starke Strömung, das jeder der diese Idee je umgesetzt hat, ertrunken ist. Aber aufgeben? Nein, das geht nicht. Wir suchten einen Fischer und gaben ihm ein paar Scheine mit der Bitte uns rüberzufahren. Er willigte ein, uns zu fahren. Und kurz später saßen wir auf einem Boot mit 30 Schülerinnen, die auf einem Ausflug waren. Mensch, wie gerne wäre ich früher auch auf so einem Schulausflug gewesen! 😉 Wir erreichten die Insel und trauten unseren Augen nicht. Es war phantastisch. Wir waren so gut wie allein und die Umgebung war der Wahnsinn!

Unser spartanischen, aber wunderschönes Gästehaus auf Gili Meno.

Unser spartanischen, aber wunderschönes Gästehaus auf Gili Meno.

Es gab sogar ein sehr spartanischen Gästehaus, in dem uns sofort alle anderen Gäste begrüßten (also zwei). Das ältere Rentnerpaar genießt hier den Lebensabend. Sie sind nur auf Reisen, aber schon sehr lange hier. Sie fahren nur nach Bali um mehr Geld abzuheben. Und sie sagten, wir seien seit zwei Wochen die ersten Gäste, die sich hier her trauen. Mag es schwer sein, diese Insel zu erreichen, es ist viel schwerer, sie zu verlassen. 🙂

Motorisierter Verkehr ist hier verboten, also gibt es einfach Kutschen.

Motorisierter Verkehr ist hier verboten, also gibt es einfach Kutschen.

Also sprangen wir erst einmal ins Meer und schnorchelten. Die Korallenriffe können sich durchaus sehen lassen. Dann wollten wir einmal die Insel umrunden, was ca. 1,5 Stunden dauert. Wir taten das und kamen auf die andere Seite, wo es weitere drei Gästehäuser gab. Wieder zurück, waren wir komplett verbrannt. Trotz angezogenem Oberteil und 50er Sonnencreme! Die Sonne hier ist einfach gnadenlos. Das lernten wir schnell. Unsere Unterkunft war ein Bungalow mit Ventilator (sogar Strom haben sie!) und Dusche, die allerdings nur Salzwasser lieferte. Wir duschten also ganz normal und danach gab es für jeden eine Flasche Süßwasser, das wir vom Bali mitgebracht haben.

Bei der Sonne hift auch keine 50er Sonnencreme mehr. Das tat weh!

Bei der Sonne hift auch keine 50er Sonnencreme mehr. Das tat weh!

Am nächsten Tag legten wir uns an den Strand und spazierten in die Inselmittel, wo ein kleines beschauliches Dorf liegt. Auch der Inselverkehr ist sehr interessant: Er besteht nur aus Kutschen. Motorisierter Verkehr ist verboten.

Verkehr auf Gili Meno. Alles wird mit den Kutschen bedient. Außerdem fungieren sie als Taxi.

Verkehr auf Gili Meno. Alles wird mit den Kutschen bedient. Außerdem fungieren sie als Taxi.

Nun aber war die Zeit gekommen und weiterzuziehen, wollten wir doch noch ein bisschen was vom Land sehen. Mit einem Boot voller Einheimischer, das täglich die Insel Lombok ansteuert fuhren wir zu unserer nächsten Station der Reise. Hier geht es schon deutlich gemütlicher als auf Bali zu. Nicht so viele Touristen, alles ein bisschen beschaulicher usw. Wir ließen uns in die Hauptstadt fahren zur großen Mall und buchten uns in der Umgebung in ein schönes und super sauberes Hotel ein. Endlich wieder hatten wir Klimaanlage und eine normale Dusche. 🙂 Wir sollten das noch zu schätzen lernen. Mein Mitreisender hatte starken Durchfall bekommen, was ja in Asien ganz normal ist. Die Medikamente dagegen soll man erst nach zwei Tagen nehmen, damit der Körper die Bakterien abgibt. Da wir für zwei Tage ohnehin den neuen Luxus genießen wollten, war das kein Problem. Außerdem gab es hier eine Laundry mit “Machine Washing”. Juhu, dann ging endlich mal wieder der Schweißgeruch aus der Wäsche raus, was man mit der Handwäsche auf Dauer nicht hinkriegt.

Die nächsten Tage ging es meinem Mitreisenden immer schlechter und schlechter. Vor der Reise waren seine Eltern gegen die Tour und luden mich zum berüchtigten “was ist wenn…” Gespräch ein. Ich klärte jede noch so große Frage, konnte sie aber nicht überzeugen. Ihr Argument an mich gerichtet: “Du weißt ja, was zu tun, wenn was passiert, aber unserem Sohn trauen wir das nicht zu, wenn er dir helfen muss”. Zugegeben: Er ist oft verplant, aber dafür unendlich liebenswürdig und nicht umsonst mein bester Freund. Ich sagte, dass sie ja dann sicher sein können, dass ihrem Sohn immer geholfen wird und ich alles tue, um ihn gesund wieder zu bringen. Der einzige, der ein Problem hätte, wäre ja ich. Daraufhin mussten auch sie lachen und willigten letztendlich ein.

Mein kränkelnder Mitreisender. Auch auf einer Reise kann mal etwas schiefgehen.

Mein kränkelnder Mitreisender. Auch auf einer Reise kann mal etwas schiefgehen.

Und jetzt standen wir hier und es ging mit seiner Gesundheit bergab. Wieso passiert immer denen was, die am meisten Angst haben? Ich brachte es kaum übers Herz und informierte unsere Eltern. Es funktionierte, wie wir es abgesprochen haben. Wenn wir was brauchen und in Not sind, werden am Telefon keine Vorwürfe gemacht, sondern es kommt nur: “Was braucht ihr? Wie viel? Ok, bekommt ihr”. Und sei es Geld. Zu Hause wird dann diskutiert, was wir falsch gemacht haben und es wird abgerechnet. 🙂 Da die Medikamente nicht mehr wirkten (ein Wunder bei dem, was ich dabei hatte), entschieden wir uns, auch wenn es hart für meinen Begleiter war, für eine Rückreise vorerst nach Bali gleich am nächsten Tag. Wenn das nichts hilft, geht es wohl zurück nach Deutschland. Und dann bekam ich plötzlich auch Durchfall. Auch wenn wir alles immer schön desinfiziert hatten im Bad etc. war mir klar, dass es keine Sicherheit gibt und sich das übertragen kann. Ich schluckte, denn jetzt hatten wir echt ein Problem.

Am nächsten Tag schmiss sich mein Mitreisender ordentlich Schmerzmittel ein und wir stiegen in den Bus zum Hafen. 14 Stunden waren wir unterwegs mit Bus, Fähre und auf Bali wieder Bus. Ihm ging es dabei sehr schlecht. Dann ab nach Kuta in die Touristen-Sauf-usw.-Gegend, wo es westliche Krankenhäuser gibt, ins Hotel einchecken und mit dem Taxi ins Krankenhaus. Das Krankenhaus war spitze, so effizient ist hier keines! Ein paar Dollar hingelegt und er wurde behandelt. Sie nahmen Proben, die sie ins Labor schicken. Am nächsten Tag hatten wir das Ergebnis: Es ist irgendein Wurm. Wie man sich den einfangen kann, wissen wir bis heute nicht, aber es war jedenfalls so. Sie gaben ihm ein ganz bestimmtes Medikament und zwei Tage später war er putzmunter. Mein Durchfall war glücklicherweise das Asien-typische und verflüchtigte sich von selbst. Der Arzt meinte, wir hätten gut reagiert, denn drei bis vier Tage später wäre alles zu spät gewesen. Aber so lange hätten wir ohnehin niemals gewartet.

Die Fahrt nach Bali fühlte sich ewig an. Hier ein Ausblick von der Fähre.

Die Fahrt nach Bali fühlte sich ewig an. Hier ein Ausblick von der Fähre.

Wir entschlossen uns weiterzureisen. Wir hatten zwar fast eine Woche verloren, aber was soll’s. Zwei restliche hatten wir trotzdem noch übrig. Also buchten wir den Weiterflug von Bali nach Flores. Wir wollten die Insel Komodo mit deren Waranen sehen und noch nach Sulawesi fliegen…

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