Oman

Oman

Schon die Einreise mit dem Bus von Dubai nach Muskat war ein Abenteuer. An der Grenze musste alles aus dem Bus raus. Personen? Raus. Koffer? Raus. Handgepäck? Raus. Dann kam die Drogenfahndung und ließ die Hunde an allen Gepäckstücken schnüffeln – und natürlich an uns. Ein paar Gepäckstücke mussten geöffnet und hergezeigt werden. Als alles offensichtlich sauber war durften wir weiterfahren und es hieß: “Willkommen im Oman”.

Mit einem Taxi ging es nun zum Flughafen, wo ich dann auch gleich unseren Toyota Landcruiser abholte. Dieses Auto sollte die nächsten zwei Wochen unser Gefährt sein, denn der öffentliche Nahverkehr in Oman verbindet allenfalls die Städte miteinander, fährt aber weder in Wadis, noch auf Plateaus und schon gar nicht in die Wüste. Oman ist ein reiches Land und ein Auto hat fast jeder. Bei den sensationellen Benzinpreisen von 24 Cent pro Liter (!) verwundert das auch nicht besonders. Unsere erste Attraktion war die beeindruckende Sultan-Qabus-Moschee in Muskat. Beeindruckend nicht nur, weil 20.000 Betende hier Platz haben, sondern auch wegen des Teppich, der handgemacht ist. Um die 1,7 Mrd. Knoten zu schlingen, fertigten 600 iranische Frauen ca. 3 Jahre lang den 4300 m² großen Teppich. Auch beim Lüster wurde nicht gegeizt. Er wiegt 8 Tonnen und ist mit Svarovskisteinen übersäht. Außerdem gibt es hier ein interessantes Islamisches Informationszentrum, in dem man Tee und Kekse bekommt und alles über den (liberalen) Islam erfahren kann. Die Mitarbeiterin dort war sogar sehr gut über das Christentum informiert. Wie so üblich im Nahen Osten wird dem Reisenden dann dargelegt, warum der Islam doch die bessere Religion sei.

7-Tonnen-Lüster der Sultan-Qabus-Moschee. Von Understatement hält man im Oman nicht viel. ;-)

7-Tonnen-Lüster der Sultan-Qabus-Moschee. Von Understatement hält man im Oman nicht viel. 😉

Abends unternahmen wir eine kleine Kletterpartie auf einen alten Steinturm von dem man einen tollen Blick über die Stadt hat und liefen auch zum sogenannten wenig schönen “Ufoturm”. Eine Art Leuchtturm für den man in der Öffentlichkeit stets seine Bewunderung zeigt, stammt die Idee für das Gebilde doch vom Sultan persönlich.

Ausblick von einem alten Aussichtsturm über die Altstadt Muskats.

Ausblick von einem alten Aussichtsturm über die Altstadt Muskats.

Am nächsten Tag besuchten wir den sehr schönen Basar. Leider ist es hier so, dass die Preise durch die Kreuzfahrtschiffe kaputt gemacht werden. Dockt ein Schiff an, schießen die Preise nach oben. Die Touristen kommen, halten sich einen Tag in Muskat auf und fahren dann weiter. Einige behaupten dann sogar, sie hätten das Land gesehen. 😉 Ein Ausflug zum sehr schönen Strand haben wir uns noch gegönnt. Als letzte wirkliche Sehenswürdigkeit kann man noch den Sultanspalast nennen, zu dessen Gunsten große Teile der Altstadt dem Erdboden gleichgemacht wurden. Auch hier wurde wenig Rücksicht auf die Kultur genommen. Erst in der jüngeren Geschichte ist ein Bewusstsein dafür entstanden, dass Altes auch wertvoll ist.

Sultanspalast in Muskat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten... ;-)

Sultanspalast in Muskat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten… 😉

Weiter fuhren wir in Richtung Sur, einer Stadt, in der tatsächlich noch Dhau gebaut werden. Die Landschaft dorthin ist geprägt von spektakulären kahlen Bergen, zwischen denen sich die perfekt ausgebauten Straßen schlängeln. Durch die Werft in Sur kann man einfach durchlaufen und auch Fotos machen. Nur an wenigen Orten werden die traditionellen Dhaus noch gefertigt. Heutzutage aber in der Regel mit Nägeln. Die Schiffe früher waren ohne Nägel gefertigt, denn dem Märchen von 1001 Nacht zufolge gibt es eine Insel mit einem Magnetberg, welcher sämtliches Metall aus den den Schiffen herauszieht und sie damit sinken lässt. Wer sich für die Geschichte interessiert, kann sie hier nachlesen: (www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=92&titelid=715)

Dhaus werden nur noch an sehr wenigen Stellen gebaut. So wie hier in Sur.

Dhaus werden nur noch an sehr wenigen Stellen gebaut. So wie hier in Sur.

Den nächsten Stopp legten wir im Wadi Bani Khalid ein. Ein Wadi ist ein Trockental, das in der Regel nur nach starken Regenfällen Wasser führt. Wir hatten sehr viel davon und der Sprung in das erfrischende Wasser tut bei der Hitze unglaublich gut. Außerdem hatten wir eine Menge Spaß mit den Einheimischen und schwammen durch die Kanäle bis zur Quelle hinauf. Den nächsten Stopp auf dem Weg nach Nizwa legten wir in Ibra ein, einer Oase mit alten, teilweise zerfallenen Wachtürmen, auf die man wunderbar klettern kann. 😉

Die Kanäle im Wadi Bani Khalid eignen sich hervorragend zum Baden.

Die Kanäle im Wadi Bani Khalid eignen sich hervorragend zum Baden.

Von Nizwa aus konnten wir einige Tagesausflüge unternehmen. Die Lage ist praktisch, da man sich den stressigen Hotelwechsel spart. Die erste Tour führt uns auf das Saiq Plateau. Befahren darf man das nur mit einem Allradfahrzeug, was angesichts der hervorragenden Straße, die an jeder Stelle dreimal gesichert wurde nicht wirklich nötig ist. Erster Anlaufpunkt war das Wadi Bani Habib, ein Tal mit zwei wunderschönen zerfallenen Dörfern, in den man nach Belieben herumklettern kann. Auch das zweite Dorf, das weiter oben liegt ist schön, auch wenn fast kein Tourist sich hierher verirrt. Wir besuchten noch ein Dorf mit einem großen Rosengarten und eines in einem Tal mit einer unglaublich steilen nicht asphaltierten Serpentinenstraße. Hier war allerdings die Allrad-Funktion wirklich sinnvoll. Wer gerne Offroad fährt, dem macht das garantiert Spaß!

Touristen klettern auf Ruinen des Saiq Plateaus.

Touristen klettern auf Ruinen des Saiq Plateaus.

Am nächsten Tag besichtigten wir das Fort in Nizwa, von dem ich ein bisschen enttäuscht war. Hier im Land ist immer alles top renoviert. Von den ursprünglichen Forts erkennt man meistens nur noch den Grundriss. Die Fassaden sind glatt und in den Räumen stehen ein paar Dekogegenstände oft Vasen oder sonstige Gegenstände. Das derart Sterile ist nicht so meins. Erst die Fahrt zum Jebel Schams gefiel mir wieder besser. Der Canyon erinnerte mich sehr stark an den Grand Canyon, wo man sich früher als ich dort war, noch problemlos an die Kante setzen konnte. Etwas weiter schlugen wir unser eigenes Camp mit Zelten auf. Wir deckten uns gut ein, denn nachts (ca. 2000 Meter Höhe) fällt die Temperatur gewaltig nach unten. In der Nähe von uns befand sich eine andere Gruppe mit Kindern, die ebenfalls wildcampierte. Im Oman ist Wildcamping erlaubt und auch gesellschaftlich toleriert. Niemand würde sich wundern, wenn man selbst im Park in der Stadt ein Zelt aufschlägt. In der Nacht setzte ein Sturm ein und es begann aus allen Kannen zu schütten. Zum Glück hielten die Zelte und wir hatten exakt die richtige Position gewählt. Zwei kleine Flüsse flossen am nächsten Morgen um die Zelte herum.

Jebel Shams Canyon.

Jebel Shams Canyon.

Nun kam eines der Highlights unserer Reise schlechthin. Wir wollten in die Rub al-Khali fahren. Die Wüste, deren Name übersetzt so viel heißt, wie “leeres Viertel” nimmt den größten Teil des Landes ein. Sie erstreckt sich über 780.000 km² und ist die größte Sandwüste der Welt. Selbst Beduinen wohnen nur am Rand. Der Name ist also treffend. Wir fuhren bis zu einer Tankstelle, gaben einen Zettel ab, mit ungefährer Ortsangabe unseres Ziels und mit der Rückkehrzeit und fuhren auf der Straße Richtung Salalah bis zu einem Punkt, an dem eine Schotterpiste nach Westen abging und folgten dieser in Richtung der Dünen. Wir fuhren und fuhren bis die ersten Ölförderanlagen auftauchten. Die Anlagen waren am Ende der Welt und doch riesen groß. Wir verließen das Gebiet und fanden einen ruhigen Platz, an dem wir wieder unsere Zelte aufschlugen. Wir rannten die Dünen hoch und runter, kochten uns Essen und sahen uns den Sonnenuntergang an. Der Platz war wirklich traumhaft schön.

Unser Lager in der Rub al-Khali.

Unser Lager in der Rub al-Khali.

Am nächsten Morgen ging es wieder raus und über die Schotterpiste auf die Hauptstraße zurück bis zur Tankstelle. Dort wartete man schon auf uns und war sehr aufgeregt. Wo wir denn blieben? Uns wurde klar, dass hier etwas nicht stimmte. Der Tankwart, der nur schlechtes Englisch konnte, hatte a.m. und p.m. verwechselt und die Notfallnummer der deutschen Botschaft angerufen. Die wiederum informierten die omanischen Behörden und das Krisenzentrum in Berlin. Wir konnten mit einem Telefonat die Suche nach uns abbrechen, waren aber ziemlich geschockt. Vor allem in der Vorstellung, dass unsere Eltern daheim Besuch bekommen mit der Info, dass das Kind vermisst würde. Wir atmeten durch. Trotzdem lobte uns der Mitarbeiter der Botschaft, dass wir so gründlich waren. Man suche lieber einmal zu viel als zu wenig.

Wieder zurück in Ibri und erholt von der Wüstentour sahen wir uns den Viehmarkt in Ibri an, der noch sehr ursprünglich ist. Touristen finden sich hier kaum welche ein im Gegensatz zu dem in Nizwa, wenn auch die Tiere hier imposanter sind. Der Ablauf ist sehr interessant: Es wird ein innerer Kreis und ein äußerer Kreis gebildet. Dazwischen liegt eine Gasse, in der die Tiere von den Händlern durchgeführt werden. Die Kunden begutachten das Vieh und rufen den Händler heran – dann wird verhandelt. Das Ganze geht sehr schnell und es ist generell sehr laut und hektisch. Man beginnt mit den kleinen Tieren und endet mit den sehr großen.

Viehmarkt in Ibri.

Viehmarkt in Ibri.

Unsere letzte große Strecke führt über das Gebirge nach Muskat zurück. Die Straße ist an sich eine Sehenswürdigkeit und macht vor allem Offroad-Begeisterten Spaß. In engen steilen Kurven geht es hin und her. Immer mal wieder fließt ein Bach quer über die Straße und das Auto jault und kämpft. Aber letztendlich hat es durchgehalten. Zwischendrin bekommt man immer wieder Gelegenheit durch Canyons zu laufen, Ziegen zu streicheln und sogar zu schwimmen. Je weiter man fährt, desto touristischer wird es. Am Ende finden sich ganze Gruppen, die geführte Abenteuertrips machen. Von einem Engländer erfuhr ich, dass man als Backpacker aber nicht weit kommt im Oman. Für fast jeden Ausflug muss eine teure Tour gebucht werden, damit man herumkommt. Hinter dem Gebirge und kurz vor Muskat übernachteten wir in einer recht neuen, schönen und sehr ruhigen Anlage in Bungalows.

Die Rückfahrt nach Muskat ist gesäumt von einigen weiteren Attraktionen. Da wäre noch ein Fort, da wie alle in Oman natürlich renoviert wurde, das Al Nahda Resort, dessen Gartenanlage kostenlos zu nutzen ist und in der Mittagshitze gut tut und eine schwer auffindbare Straußenfarm, die sich (auch wenn sie sehr klein ist) doch lohnt. Hier durften wir sogar beobachten, wie ein Strauß ein Ei legte. Die Tiere sind lustig, waren aber vernarrt in meine Kamera und wollten sie wegschnappen.

Witzige Geschöpfe: Strauß auf einer Farm.

Witzige Geschöpfe: Strauß einer Farm im Oman.

Unseren letzten Tag im Oman verbrachten wir mit Ausruhen und einer Besichtigung der Parfümfabrik Amouage, das nach eigenen Angaben teuerste Parfüm der Welt. Wir durften an den Bestandteilen riechen und man führte uns gratis durch die Fabrik. Am Ende hatte man natürlich die Gelegenheit für astronomische Preise ein Päckchen zu erstehen. Die Dame, die uns herumführte wusste aber, dass wir nur Studenten sind und nach einem kleinen Smalltalk, nach dem die Mädels alle auf der Toilette waren, gab sie mir für jeden zwei Gratispackungen, über die wir uns alle freuten. Am Abend schlossen wir am Strand bei einer Melone und Cocktails (selbstverständlich ohne den hierzulande schwer erhältlichen Alkohol) den Urlaub im Oman ab.

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