Myanmar – Teil 3: Trekking, Kultur und Traumstrand

zurück zu Teil 2

Myanmar – Teil 3: Off the beaten track.

Ein sehr, sehr tiefer Einblick in das kürzlich noch so verschlossene Land, verbunden mit einem Aufenthalt an einem der schönsten Strände Südostasiens.

Als wir in Kalaw mitten in der Nacht ankamen, fiel ich geradezu aus dem Bus. Eigentlich bin ich resistent gegen jegliche Art von Busreisen, aber das war dann auch für mich zu viel. Erst am Nachmittag fuhr der Bus in Mandalay los und erst gegen 2 Uhr Nachts kamen wir in Kalaw an. Die Fahrt bis dahin stellte sich als übler Bergpass mit hunderten von Kurven heraus, die teilweise nicht mal asphaltiert waren. Kurven, Kurven, Kurven. Die Strecke bis zum Inle-See ist eine einzige Durchgangsstraße. Tag und Nacht rollen hier haufenweise LKW über diese Straße. Die Manöver am Pass waren dazu noch sehr abenteuerlich. Ein Schlepper fing uns ab und brachte uns zu einer Unterkunft, die aber leider voll war. Wir fragten, ob er uns auch zu einem Gästehaus aus unserem Buch bringen könne und er führte uns hin. Das Haus war super und wir fielen sofort ins Bett. Natürlich gab uns der Mann noch seine Visitenkarte (was für ein Zufall – er war Trekking Guide). Der einzige Grund hierher zu kommen ist nämlich eine Trekking Tour zu machen. Wir schliefen aus und nutzen den nächsten Tag, uns den kleinen verschlafenen Ort (mit Ausnahme der Hauptstraße in der wir gestern herausgelassen wurden) anzuschauen.

Der Markt war richtig schön und bot alles, was das Herz wünschte. Vor allem an Souvenirs. Aber anders als in Yangon kommt hier kein Mensch hin und die Preise sind entsprechend niedrig. Ich fragte nach einem goldenen Löwen – einem typischen Symbol, der vor jedem Tempel hier steht. Er war mit – myanmartypisch – echtem Blattgold überzogen und sah einfach super aus. Ich musste ihn haben. Also ging ich hin und fragte nach dem Preis. Er sagte, er kostet 69 $. Ich sagte, das sei mir zu teuer und bot ihm 18 $, wohlwissend darum, wie viel hundert Dollar das Ding zuhause wert wäre und er sagte nein. Also gingen wir weiter. Unser eigentliches Ziel war ja einen Guide zu finden. Ohne den ist man beim Trekking im Umland leider sehr schnell verloren. Wir klapperten alle Führer im Ort ab unter anderem den von gestern Nacht. Allerdings war nur sein Chef da, da der Mann schon unterwegs mit einer Gruppe war. Er machte uns wirklich das beste Angebot. Außerdem sehr fair, in dem er sagte, er hätte noch zwei andere junge Leute und würde uns zusammentun, dann könnten wir uns die Gebühr teilen. Wir sagten zu, morgen in aller Hergottsfrüh aufzutauchen zum Zwei-Tagestrekking. Vorher allerdings gingen wir zurück zum Markt und auf einmal saß eine Frau am Tisch mit dem Goldlöwen. Ich fragte “unwissend”, wie viel der denn koste. 55$. Wow, was für eine Deflation! Ich bot ihr 20$ und sie lehnte ab. Wahrscheinlich ist später wieder ihr Mann da und es wird wieder teurer. Egal. Nach dem Mittagessen saßen beide an dem Stand und ich fragte noch mal. Beide waren jetzt bei 40$. Das klang schon besser, aber auch das war mir zu viel. Ich bot 24$ und sie sagten, na gut 30$ sei aber wirklich der allerletzte Preis. Ich legte 27$ hin und wir alle waren zufrieden. Eine ordentliche Verpackung bekam ich auch noch und hoffte, dass ich das Ding in Thailand und Yangon am Zoll vorbeikriegen würde. Für umgerechnet 2 Euro kaufte ich außerdem noch eine schöne Tasche.

Trekking zum Inle-See in Kalaw.

Trekking zum Inle-See in Kalaw.

Sehr früh ging es zu Than*, unser Guide für die nächsten zwei Tage. Unsere zwei Mitreisenden waren eine Chinesin Namens Theresa(!) und Harry, ein Holländer “vom anderen Ufer”. Beide waren uns gleich super sympathisch und wir wussten schon da, dass wir eine Menge Spaß haben würden. In einem Auto wurden wir bis zum Startpunkt gebracht, wo es losging. Das war nun eines der ganz großen Highlights in Myanmar. Endlich sahen wir, wie die Menschen auf dem Land wirklich wohnen. Wir sahen Holzhütten, Kutschen, kein einziges Auto, Wege aus rötlichem Sand, Felder und Feldtiere. Wirklich schön. Ein Helfer, der unserer Gruppe immer vorausrannte, kochte und zauberte uns ein echt gutes Menü. Er war wirklich klasse.

Ein Mann sucht nach Essen. Dürfen wir mal in den Korb schauen?

Ein Mann sucht nach Essen. Dürfen wir mal in den Korb schauen?

Hmm lecker... Oh... achso. Äh, nein. Wir haben gar kein Hunger. ;-)

Hmm lecker… Oh… achso. Äh, nein. Wir haben gar kein Hunger. 😉

Auch konnten wir uns mit Than* unterhalten. Er erzählte uns von den Schulen hierzulande, zu denen man in der ersten Klasse seinen eigenen Stuhl und Tisch mitbringen muss, von der hiesigen Regierung, von der Widerstandskämpferin San Suu Kyi, usw. Er sprach quasi über alles, was man uns (mit Ausnahme von wenigen anderen) in den Städten vorenthalten hatte. Viele haben immer noch Angst, offen die Regierung zu kritisieren. Er erzählte uns, dass eines Tages ein Einwohner von Kalaw ein Touristenpaar aufgenommen habe, die kein Hotel gefunden haben. Er wurde angezeigt und zu einer hohen Geldbuße verdonnert. Außerdem musste er unterschreiben, dass er das nie wieder macht. Die Konsequenz bei Ignoranz wäre eine lange Haftstrafe. Übernachten dürfen die Touristen nur in Häusern mit Lizenz, die für die Hotels sehr teuer ist. Schläft man woanders, hat das zwar keine Auswirkung auf die Weiterreise, aber für den Gastgeber sehr wohl.

Schon besser. ;-)

Schon besser. 😉

Wir kamen nach langem Fußweg am Nachmittag in einem Kloster mitten im Nichts an. Hier sollten wir quartieren. Wir waren wegen der Hitze klatschnass und freuten uns schon auf die schöne Dusche. Aber Fehlanzeige. Das Duschwasser gab es per Eimer aus dem Brunnen, während die Duschen aus einem Mauerwerk bestanden. das “Wasser” war so schmutzig, dass wir mit Dusche kaum sauberer wären. Also duschte keiner von uns vier. Ist auch keine gute Idee hier in der Pampa eine Infektion zu bekommen, vor der immer gewarnt wird. Das Kloster dagegen war toll. Ruhig gelegen, kilometerweit keine Straße und das Essen war wieder mal phantastisch. Der Koch zauberte uns sogar aus Kartoffeln Country Potatoes, die wir sorgfältig aufteilten. Wir unterhielten uns noch eine Weile mit den beiden anderen und gingen dann ins Bett. Ein Zimmer gab es nicht, dafür vier Matratzen nebeneinander und ein mit Stellwänden abgetrennter Bereich. Herrlich. Authentisch und urig.

Klostereigene Dusche mit Wasser aus dem Brunnen.

Klostereigene Dusche mit Wasser aus dem Brunnen.

Abendessen im Kloser. Sehr lecker!

Abendessen im Kloser. Sehr lecker!

Ich habe sie nicht kommen hören, aber die Halle, in der wir schliefen wie ein Stein, füllte sich mit zig Mönchen, allesamt Kinder. Alle fingen auf einen Schlag an laut ein Mantra zu plärren. Wir saßen im Bett vor Schreck. Als wir realisierten, was los war, mussten wir sehr leise anfangen zu kichern. Wie unhöflich, ein Gebet so zu stören! Aber sie hörten uns zum Glück nicht. Es war 5 Uhr und an ein Weiterschlafen natürlich nicht zu denken. Nach dem Gebet schlummerten wir fast schon wieder, bis uns Than* weckte. Wir müssen aufbrechen, um nicht in die Mittagshitze kommen.

Begegnung unterwegs.

Begegnung unterwegs.

Weiter ging es durch das Land, wo wir Kohlearbeiter trafen, Suchende nach Essen, Kutschen und vieles mehr. Gegen Nachmittag erstreckte sich plötzlich der Inle-See vor uns. Ein Boot erwartete uns und brachte uns nach Nyaungshwe, die Stadt am Nordufer des Sees. Leider sind die Hotels im Ort recht teuer, da der Inle-See von wirklich jeder Reisegruppe angesteuert wird. Wir fanden trotzdem ein abgelegenes und günstiges, das ganz ordentlich war und buchten uns hier ein. Ich kann nicht mehr sagen, wie lange ich unter der Dusche stand. Der Boiler war jedenfalls leer. Ich war aber so nett und hatte meine Mitreisende vorgelassen. 😉 Wir fanden abends ein neueröffnetes Restaurant, der Pfannkuchen anbot. Eine herrliche Abwechslung zu dem sonstigen Essen, was mit Hühnchen und Reis auf Dauer für uns zu monoton ist.

Zum Frühstück gab es auch im Hotel Pfannkuchen (die Stadt gefiel mir). Der Pausentag heute kam uns sehr recht. Außer ein bisschen in der Stadt schlendern, die wenige kleine aber sehr feine Sehenswürdigkeiten hat und eine Planung der Weiterreise gab es nicht viel zu tun. Wir buchten für den nächsten Tag einen Bootstrip auf dem Inle-See, den Weiterflug nach Ngapali Beach und sahen uns die Yadana Man Aung Pagode an. Es war unfassbar, was für uralte und unbezahlbare Schätze hier lagen. Ein paar waren ganz offensichtlich geklaut worden, aber uns wunderte, dass es überhaupt noch ein paar gab. Solche Ausstellungstücke wären in Deutschland hinter Panzerglas! Zum Mittagessen kaufen wir uns sage und schreibe 40 Gemüseufos.

Mehr ging nicht rein ins Boot. Transporter auf dem Inle-See.

Mehr ging nicht rein ins Boot. Transporter auf dem Inle-See.

Einbeinruderer auf dem Inle-See. Mit dem Bein wird das Boot fortbewegt und die freien Hände dienen zum Netz einholen.

Einbeinruderer auf dem Inle-See. Mit dem Bein wird das Boot fortbewegt und die freien Hände dienen zum Netz einholen.

Typisches Haus auf dem Inle-See.

Typisches Haus auf dem Inle-See.

Wir hatten unser eigenes Boot, da es keine anderen Individual-Buchungen abseits der großen Gruppen gab und fuhren erst bis zum Luxushotel Golden Island Cottages, wo wir kurz hielten. Hier stieg ein junger, netter Guide – ein Shan – hinzu. Seitdem die Militärregierung im Dezember 2011 einen Friedensvertrag mit den Shan schloss, ist die Region bereisbar. Ein Guide ist aber Pflicht und nicht gerade günstig. Wenn man aber diese Gegend sehen will – und das lohnt sich – dann führt kein Weg daran vorbei. Der Inle-Lake an sich in durchaus interessant. Es gibt die Einbein-Ruderer, die mit einem Bein das Boot vorwärts bewegen, um mit beiden Händen das Netz einzuholen. Nur noch wenige Menschen weltweit beherrschen diese Technik. Für das Auge sind auch die mit Menschen, Ware oder beidem völlig überfüllten Boote interessant. Was wir von vorneherein abgelehnt haben, ist zum sogenannten “Jumping Cat Monastery” (eine üble Touristen-Show) und zu den unendlichen Verkaufshäusern des Sees gefahren zu werden, die hauptsächlich wegen den Touristen existieren. Nur einen Silberschmied, eine Weberei und einen Bootsbauer schauten wir uns an. Übrigens sind alles Häuser auf dem Wasser gebaut und teils ziemlich mitten im See. Nein, wir wollten ganz explizit nach Sankar. Wieder einmal “off the beaten tracks”, also fernab der üblichen Wege. Nur hier konnten wir das ursprüngliche Myanmar sehen. In Sankar gab es einen sehr schönen Markt mit Menschen, die von sehr weit herkommen, um hier zu handeln. Außerdem machten wir ein Mittagessen in einem Shan-Restaurant, direkt am Wasser, besuchten ein Shan-Dorf und fuhren zu einem Gelände mit vielen Stupas. Dieser Ausflug lohnt sich wirklich sehr und das obwohl kaum einer hier hin fährt.

Häuser auf dem Inle-See.

Häuser auf dem Inle-See.

Markt in Sankar.

Markt in Sankar.

Am nächsten Tag ging es mit dem Taxi zum Flughafen Heho, ein winziger Regionalflughafen. Von dort flogen wir ans Meer nach Ngapali-Beach. Im Buch stand, das sei einer der schönsten Strände in Südostasien. Und glaubt mir – wir wurden definitiv nicht enttäuscht. Ein Taxi holte uns ab und brachte uns ins Hotel. Vorbei an den ganzen Luxusbettenburgen für 200$ pro Nacht (ja, auch in Myanmar kann man so viel ausgeben) fuhren wir bis ans untere Ende des Strandes. Es war wie auf einer Postkarte. Palmen, Sand, Bungalows, alle drei Stunden Verkäuferinnen mit Melonen auf dem Kopf und endlosem Karibikfeeling. Hier fühlten wir uns wohl und ließen uns zum Abschluss des Urlaubs noch mal ein paar Tage richtig gut gehen. Nach vier Wochen hatten wir uns die Entspannung redlich verdient.

Blick vom Hotel zum Strand. Ngapali Beach.

Blick vom Hotel zum Strand. Ngapali Beach.

Sonnenuntergang am Ngapali Beach.

Sonnenuntergang am Ngapali Beach.

Palmen, Palmen, Palmen. Davon gibt es hier genug. ;-)

Palmen, Palmen, Palmen. Davon gibt es hier genug. 😉

*Name geändert

2 thoughts on “Myanmar – Teil 3: Trekking, Kultur und Traumstrand

  1. So schöner Bericht! Danke dafür! Wir haben in Kalaw auch eine Trekkingtour gemacht- wollten auch immer noch mal einen Bericht darüber schreiben, weil es echt eine unserer schönsten Touren im Land war… Wir schwelgen schon wieder in Erinnerungen… Klasse! LG und schöne Pfingsten!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s