Myanmar – Teil 1 Südroute

Myanmar – Eine Reise in ein Land voller Gold, Tempel, Buddha-Statuen und Mönchen

Shwedagon bei Sonnenuntergang.

Shwedagon bei Sonnenuntergang.

Der Stop-Over in Bangkok war eine gute Idee. Hier konnten wir uns ausruhen und uns an die neue Zeitzone gewöhnen. Der Flug dauerte zwar ewig, vor allem wegen der langen Aufenthaltszeit in Amman, Jordanien aber letztendlich klappte alles ganz gut. Von Bangkok aus benötigte ein Zubringerflug nach Yangon nur ca. eine Stunde, was ebenfalls ganz angenehm war. Leicht war die Ankunft in der eigentlichen Hauptstadt aber nicht. Zuerst brauchten wir ein bisschen Geld, das wir am Flughafen zu einem sehr schlechten Kurs wechselten, dann ging es per Taxi zum Central Hotel, an dem wir einchecken wollten. Zimmerpreis 100$ pro Nacht. In Myanmar (das wussten wir zum Glück schon) zahlt man für Hotels Unsummen, wenn man als Walk-In Kunde auftritt. Ein Besuch nebenan im Reisebüro würde den Preis für das gleiche Zimmer auf 30$ pro Nacht senken. Leider ist aber heute Feiertag und das Reisebüro hatte zu. Trotzdem machte uns jemand auf und nach ewigem rumtelefonieren (es war fast alles ausgebucht), landeten wir im fast leeren Hotel Yuzana, das weder in unserem, noch in anderen Reiseführern drinstand. Warum erfuhren wir erst zuhause: Es gehört der Regierung und fällt unter die Boykottmaßnahmen. Das Hotel war alt, aber dafür blitzblank und hatte ein riesiges Zimmer. Aber erst als wir auf den Balkon gingen, traf uns der Schlag. Wir hatten tatsächlich eine perfekte Aussicht auf die Shwedagon Pagode. Nach dem Einchecken fuhren wir erst einmal mit dem Taxi zur Sule Pagode und machten erste Erkundungen. Yangon ist wirklich schön. Die Sule Pagode war unser erstes Erlebnis mit einer Pagode in Myanmar. Sie sind enorm beeindruckend und mit unfassbar viel echtem Gold überzogen. Wir liefen weiter zu einem kleinen Park und bis an den Hafen, wobei wir zwischendrin immer wieder Kolonialgebäude sahen. Vom Hafen fuhren wir abends todmüde zurück zum Hotel. Immer noch ziemlich geplättet von dem Jetlag schliefen wir schnell ein.

Der See Kandawkyi mit monumentalen Bauten.

Der See Kandawkyi mit monumentalen Bauten.

Unsere Hotelaussicht auf Shwedagon.

Unsere Hotelaussicht auf Shwedagon.

Das Hotel bot uns ein Frühstücksbuffet vom Feinsten an und ich aß mich kräftig satt. Meine Mitreisende konnte da nur den Kopf schütteln. 😉 Zuerst fuhren wir erneut zu dem Reisebüro in der Stadt, um unsere Weiterfahrt zu organisieren. Dieses Mal waren wir schlauer und buchten das Hotel am Golden Rock schon vor. Unsere Tagesattraktion war die Shwedagon Pagode, für die man sich schon wegen der schieren Größe viel Zeit lassen muss. Wir waren vom frühen Nachmittag bis zur Dunkelheit in der Anlage, die wirklich faszinierend ist. Unzählige Tonnen an Gold müssen hier verbaut sein – die Größe lässt einen sprachlos werden. Wir besuchten zuerst die kleineren Tempel außen und bewegten uns langsam in die Mitte vor. Wir wollten verstehen, was diese Menschen hier machen, wie sie beten und meditieren. Das beste Mittel ist dabei hinsetzen und zuschauen. Und nach und nach fallen einem die Eigenarten auf. Junge Menschen, die den Boden fegen, Pilger, die Kerzen zusammenbauen, Mönche und Nonnen, die beten und meditieren, oder Menschen, die sich selbst vor der Pagode fotografieren, zum Beispiel eine Junge Frau mit ihrem Zeugnis der Universität und einem Talar auf dem Kopf. Unglaublich schön wird es, wenn die Sonne untergeht und die Prozessionen losgehen. Die künstlichen/kitschigen Glitzerleuchten, die die Menschen so toll finden, stören zwar etwas, aber das Erlebnis ist trotzdem einmalig. Am Ende konnten wir sehr bequem zu Fuß zum Hotel zurückgehen. Auf dem Balkon genossen wir mit der super Aussicht unser wohlverdientes kühles Bier.

Die gigantische Shwedagon Pagode.

Die gigantische Shwedagon Pagode.

Meditation junger Mädchen. Eine schummelt und beobachtet mich heimlich. :-)

Meditation junger Mädchen. Eine schummelt und beobachtet mich heimlich. 🙂

Nebentempel von Shwedagon. Noch nie habe ich soviel Gold gesehen.

Nebentempel von Shwedagon. Noch nie habe ich soviel Gold gesehen.

Am nächsten Tag ging es gleich zum nächsten Highlight des Landes. Der Start dahin war allerdings etwas holprig. In unser Taxi stieg ein weiterer Mann ein, woraufhin ich dem Taxifahrer lauthals klarmachte, was wir davon halten. Der Mann stieg also wieder aus und wollte die Türe von meiner Mitreisenden öffnen. Die war aber verschlossen. Anstatt aufzugeben, fasste er durch das offene Fenster des Fahrers und wollte den Knopf hochziehen. Sekunden später tat ihm das leid und vor allem sehr weh, weil meine Hand dabei auf seine herunter raste. Der Fahrer war ganz erschrocken und hatte sichtbar Angst vor uns. Ich hielt ihm das Geld vor die Nase und sagte: “Bus Station Ticket Office – Money” und “No Ticket Office – No Money”. “Understand?” – Er verstand und fuhr uns direkt vor das richtige Ticket Office (am Busbahnhof gibt es ca. hundert) und trug uns sogar die Koffer nach innen. Ganz höflich. 😉 Mit dem Bus war es dann deutlich leichter, das Ticket war schnell gekauft und mit dem Bus waren wir auch zeitig am Zielort Kyaikto. Von hier aus ging es mit einem Truck (hier saßen nur Mönchskinder drauf und schrien vor Freunde bei der rasanten Fahrt) sehr günstig bis ins Basislager vom Golden Rock. Nach dem Mittagessen aus unseren Schlingel-Tupperboxen (gefüllt mit Köstlichkeiten vom Hotelbuffet heute früh) geht es von hier aus nur zu Fuß weiter. Nur zu Fuß? Nein, es gibt – äh sagen wir “Varianten”. Nummer 1: Man geht selbst samt Gepäck. Nummer 2: Man geht selbst und lässt das Gepäck tragen. Und Nummer 3: Man lässt sich und das Gepäck tragen. Auf Sänften versteht sich. Nummer 3 fiel weg. Wir fanden das unwürdig und wollten uns nicht wie Könige behandeln lassen. Nummer 2 fiel bei uns auch weg, da es nur kleine Kinder oder alte Frauen zum Gepäck tragen gab. Nein, wir sind fit, wir schaffen das auch so. Und so liefen wir und waren stolz oben anzukommen. Für den Weg, der auf der Karte ewig wirkt, brauchten wir gerade mal eine Stunde. Läppisch. Das Hotel war Luxus pur. Wir waren es sichtlich nicht gewöhnt, dass unser Gepäck aufs Zimmer gebracht wird und wir so viel Luxus hatten. Aber es gibt nur zwei Hotels oben auf dem Berg. Die anderen unten haben das Problem, dass man keinen Sonnenaufgang und Untergang sehen kann, weil die Trucks zu diesen Zeiten nicht mehr (bzw. noch nicht) fahren. Wir duschten schnell und gingen dann die restlichen paar Meter bis zum Golden Rock. Der riesige Felsen ist doch tatsächlich komplett mit Gold überzogen worden. Wir genossen die Atmosphäre und all den Trubel. Ein Highlight! Das ist nicht übertrieben! Zurück im Hotel sahen wir unsere pechschwarzen Füße. Geputzt wird in den Tempeln nämlich nie (nur rituell gefegt) und die Schuhe muss man ausziehen. 😉

Weg zum golden Rock. Andere lassen sich hier tragen.

Weg zum Golden Rock. Andere lassen sich hier tragen.

Golden Rock. Hier liegt ein Buddhahaar, das hält den Felsen oben. Klar. ;-)

Golden Rock. Hier liegt ein Buddhahaar, das hält den Felsen oben. Klar. 😉

Der Sonnenaufgang war ähnlich spektakulär. Auf einer Plattform durften männliche Besucher den Felsen sogar berühren und auf Wunsch noch mehr Gold aufkleben. Dadurch hatte der Felsen schon einen riesigen Goldklumpen ankleben. Übrigens erfuhren wir, warum der Felsen hält: Ein Haar von Buddha liegt darunter. Klar! Wieso sind wir da nicht drauf gekommen! Zu Fuß ging es recht schnell bergab zum Basislager und dann mit dem Truck nach unten. Wir bezahlten dabei einen Guide einer europäischen Gruppe, dass er uns mitnahm, was kein Problem war. Mit einer Art Tuk-Tuk ging es von Kyaikto nach Hpan-an. Die Fahrt war die reinste Tortur, denn der Wagen war rappelvoll. Leider mussten wir in einen Wagen umsteigen, der zwar leerer aber noch unbequemer war. Wir waren wirklich froh, als wir in Hpan-an ankamen. Wir checkten in einem etwas schmuddeligen Backpacker-typischen Hostel ein, das aber sehr günstig war. Der Besitzer war super. Er konnte Englisch und half uns die Tour am nächsten Morgen zu buchen. Nun mussten wir nur noch Geld wechseln. Nur war das Problem: Wo in diesem Ort? Nach herumfragen gingen wir zum Zahnarzt. Ja, er ist der einzige, der hier offiziell wechselt. Abends liefen wir noch zum Fluss, wo wir einen unvergesslich schönen Sonnenuntergang erleben konnten.

Die Umgebung von der kleinen Stadt kann sich sehen lassen und getrost als Geheimtipp genannt werden. Viele Touristen fahren nicht so weit in den Süden und lassen sich das bedauerlicherweise entgehen. Über Felder fuhren wir zu diversen Höhlenanlagen mit zigtausenden Buddha-Statuen. Besonders beeindruckend war das Kloster mit seiner atemberaubenden Leiter (nein, diese durften wir nicht gehen). Wir schauten noch auf ein Buddha-Feld (auch hier waren wieder tausende Statuen), sowie zu einer Höhle, die zu einen der ruhigsten Plätze in ganz Myanmar führte. Wir saßen nur da und genossen die Ruhe. Kein Lärm von Autos, kein Smog usw. Ein wirklich friedlicher Platz. Bis wir abends wieder im Hotel waren gab es allerdings eine holprige Fahrt, die uns einen ordentlichen Muskelkater hinterließ. Fragt nicht wo! 😉

Höhlenanlage mit hunderten Buddahs, die aus der Wand gemeißelt wurden.

Höhlenanlage mit hunderten Buddahs, die aus der Wand gemeißelt wurden.

Abenteuerliche Pagode mit Leitern.

Abenteuerliche Pagode mit Leitern.

Das Buddhafeld mit hunderten Menschgroßen Buddahs.

Das Buddhafeld mit hunderten menschengroßen Buddahs.

Zum südlichsten Punkt unserer Tour Mawlawine fuhren wir (Gott sei Dank!) mit dem Bus. Wir suchten ein Hotel und fanden das kleine, von außen wenig ansprechende Hotel “Cinderella”. Als wir die Zimmer sahen checkten wir sofort ein, obwohl es 30$ für das Zimmer kostete. Aber es war sehr luxuriös und hatte sogar einen Kühlschrank! Wir freuten uns über diesen Standard am Ende der Welt, genossen unsere Terrasse bei gefühlten 40°C und tranken unsere kühle Cola.

Beladungsgrenzen gibt es nicht. Was reingeht, geht rein.

Beladungsgrenzen gibt es nicht. Was reingeht, geht rein.

Heute stand der Ausflug mit dem Boot zur Insel Bilun Kyi auf dem Programm. Hier als Geheimtipp: Wenn man ankommt, werden einem sofort Touren angeboten. Diese sind aber rein touristisch. Gleich am Hafen dagegen ist ein kleines Dorf, in das man durch einen Holzbogen gelangt. Es war ein richtiges Erlebnis dort hineinzugehen. Endlich sahen wir das richtige Leben auf dem Land im Dorf. Authentisch und nicht für Touristen künstlich geschaffen. Je weiter wir hineingingen, desto mehr Kinder sammelten sich um uns. Die Bewohner baten uns näher und zeigten uns, wie sie ihre Dächer aus Palmwedeln herstellen. Das war richtig interessant! In Mawlawine zurück besuchten wir noch den Pagodenberg. Hier stehen auch teilweise sehr ursprüngliche und schöne Pagoden und der Blick über die Stadt ist herrlich.

Dorf auf Bilun Kyi.

Dorf auf Bilun Kyi.

Von Mawlawine fuhren wir mit dem Bus nach Bago. Wir mussten allerdings ein Ticket nach Yangon lösen und ich fragte, ob wir dann an einem anderen Tag weiterfahren dürften. Nein, das ginge nicht. Da das Ticket für die ewige Fahrt nur umgerechnet 10 Euro pro Person kostete war es aber dennoch ok. Und Bago wollten wir auf keinen Fall auslassen.

Wahlkampf in Myanmar.

Wahlkampf in Myanmar.

Das wäre auch sehr schade gewesen. Bago ist zwar keine schöne Stadt, aber die Tempel dafür umso mehr. Eines der Highlights war das Mittagessen der Mönche zur Unzeit um 10:30 Uhr im Khakat Win Kyaung Kloster. Hier erlebt man die Mönchsspeisung sehr nahe und ohne übermäßig viele Touristen. Seit der Öffnung des Landes nimmt aber der Tourismus zu und das merkt man auch hier. Ganze Reisegruppen kommen und geben den Mönchen Gaben. Hier stand sogar eine chinesische Frau, die jedem einen Dollar in die traditionelle Bettelschale legt. An sich ist das eine üble Verkennung der dortigen Traditionen, die untersagt, dass Mönche Geld annehmen dürfen. Die Mönche lassen es mehr oder weniger glücklich über sich ergehen. Manche haben auch ihren Spaß dabei und witzeln über Touristen, die ihnen beim Essen zuschauen. Wir waren zwar bei der Essensausgabe dabei, zogen uns aber zu Beginn des Essens aus Respekt zurück. Außerdem gibt es in Bago noch die liegenden Buddhas, wobei der unter freiem Himmel der kleinere ist! Am Abend ging es zurück nach Yangon, wo wir am nächsten Morgen noch eine Rundfahrt mit der Ringeisenbahn machten. Das kostet nur einen Dollar und bat auch wieder einen tollen Einblick in das Land – Märkten auf den Schienen inklusive.

Mönchsspeisung in Bago.

Mönchsspeisung in Bago.

Der kleine liegende Buddha in Bago. Man beachte den Größenvergleich mit der Person am Ende. ;-)

Der kleine liegende Buddha in Bago. Man beachte den Größenvergleich mit der Person am Ende. 😉

 Markt auf den Gleisen in der Nähe von Yangon.

Markt auf den Gleisen in der Nähe von Yangon.

Die Südtour ist die am meisten unterschätzte in Myanmar, da die Busrundreisen meist nur das Zentrum anfahren. Schade eigentlich, denn die immer weitere Öffnung des Landes erlaubt in der Zwischenzeit sogar eine deutlich weitere Reise nach Süden. Hier geht es weiter…

3 thoughts on “Myanmar – Teil 1 Südroute

  1. Hallo Chris, zuerst einmal: Vielen Dank, dass du meinem Blog folgst. Dein Beitrag zu Burma hat in mir Erinnerungen geweckt. Auch ich war im Januar dort und liebe dieses Land. Vielen Dank für den schönen Beitrag.
    Viele Grüße!
    Sabine

  2. Herrlicher Bericht, den ich mir unbedingt noch einmal in Ruhe zu Gemüte führen muss. Myanmar steht bei mir auch ganz oben auf der Wunschliste, bei ersten Forschungen war ich aber doch von den für Südostasieren horrenden Übernachtungspreisen überrascht. Naja, geht ja offenbar auch anders wie man bei euch sieht. Bis die Tage!

    VG “TiMaFe” Till

    • Ja, die Übernachtungspreise waren auch mein Argument dagegen. Aber ich als dann die ersten Berichte von Backpacker gelesen habe, war ich begeistert und sicher, dass die Preise gar nicht so hoch sind. 😉

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