Fernwandern – München bis Venedig – Teil 2

Kapitel 2: Innsbruck bis Tuxer Gletscher

Tag 9:

Heute ging es den Berg nach unten in Richtung Innsbruck. Das war schon ein Erlebnis und wir waren in bester Laune. Am Weißenbach entlang liefen wir bis zum Ortsrand und bestiegen den Bus bis nach Hall in Tirol. Hier füllten wir unsere Vorräte im Aldi auf. Wir kamen uns vor, wie Außerirdische. Die Einkaufswagen randvoll und Proviant für viele Tage, bis wieder ein Supermarkt auftaucht. Wir hatten exakt geplant und bis hier hin fast alle Vorräte verbraucht. Vor allem dank der Notration konnten wir uns trotz Umweg immer noch versorgen. Mit Bus fuhren wir nach Tufles, suchten eine kleine Pension und ließen es uns so richtig gut gehen. Die Wraps mit Hackfleisch schmeckten herrlich auf dem Balkon und in der Dusche waren wir ewig.

Am Weißenbach entlang bis nach Hall in Tirol.

Am Weißenbach entlang bis nach Hall in Tirol.

Die Strecke am Weißenbach ist wirklich wunderschön.

Die Strecke am Weißenbach ist wirklich wunderschön.

Tag 10:

Die Glungezerbahn brachte uns an den Ausgangspunkt unserer heutigen Etappe bis zur Lizumerhütte. Leider war der Weg wegen Steinschlag gesperrt und so blieb uns nichts anderes übrig als zur Glungezerhütte aufzusteigen, was uns einen Tag mehr kosten würde. Denn ein weitergehen bis zur Lizumerhütte ist am gleichen Tag nicht mehr möglich. Der Anstieg und die Aussicht sind schön, die Hütte ist aber schon wegen des Wirtes der Grauen. Er wusste genau um die Wanderer, die den Umweg nehmen mussten und wollte uns abzocken. Nur biss er damit bei uns auf Granit. 45 Euro sollten wir hier oben bezahlen und wir sagten einfach nein. Denn schnell war auf der Karte eine nicht weit entfernte Hütte ausgemacht, die aber keiner kennt und wir waren ja Selbstversorger. Außerdem reichte die Zeit dafür allemal. Das sollte für uns also kein Problem darstellen. Somit verabschiedeten wir uns einfach und gingen weiter. Seine Mitarbeiter, die wohl selbst nicht so viel von ihm hielten, sagten uns unter der Hand, dass er die Masche immer durchzieht und wir die ersten sind, die ihm endlich mal die Stirn boten. Sie freuten sich sichtlich als der Chef Gottfried Wieser wegsah und füllten breitwillig unsere Flaschen mit Wasser auf. Wir änderten unseren Weg also bis zum Patscherkofel. In dieser Hütte waren wir allein und konnten uns breitmachen wie wir wollten. Wir bekamen Spezi zum trinken und durften sogar selbst kochen. Allein die Wirtin war zu uns super lieb!

Anmerkung an dieser Stelle: Der Österreichische Alpenverein entschuldigte sich später bei uns schriftlich für den Hüttenwirt.

Blick von der Bergstation der Glungezerbahn auf Innsbruck.

Blick von der Bergstation der Glungezerbahn auf Innsbruck.

Tag 11:

Mit der Seilbahn fuhren wir bis nach Innsbruck. Anschließend ging es zum Obi, wo wir unsere Gaskartuschen nachkauften. Immerhin hatten wir bis hierhin eine geleert und die nächste war fast leer. Mit dem Bus mussten wir nun einen kleinen Umweg fahren. Es ging durch das Mühltal vorbei an der Brennerautobahn bis nach Navis. Von hier aus wollten wir weiterlaufen. Nachdem die Naviser Hütte noch im Rohbau war, gingen wir weiter und fanden schnell die kleine, aber wunderschöne Stöcklalm. Die Wirtin war unglaublich herzlich und gastfreundlich, schmiss Holz in den Ofen für die Dusche und machte uns köstliche Auszogne. Wir fühlten uns wohl. Auch der Schlaf auf dieser ruhigen Hütte konnte sich sehen lassen.

Aufstieg zur Glungezerhütte.

Aufstieg zur Glungezerhütte.

Tag 12:

Wir verabschiedeten uns von der netten jungen Familie, die uns beherbergte und uns alle gute für unsere “Survivaltour” wünschte und wanderten bergauf auf einem bestimmt nicht offiziellen Weg bis zur Scharte. Von dort ging es per Gradwanderung weiter bis zum Naviser Kreuzjöchl, einem phantastischem Aussichtspunkt. Aber die Zeit ging nur so dahin und wir mussten uns beeilen. Hier oben wären wir bei einem Wetterumschwung hoffnungslos verloren und die dunklen Wolken verhießen nichts Gutes. Also schnell nach unten über den Kluppenbach bis zur winzigen Ortschaft Kasern, wo wir uns im Gasthof bei plötzlich strahlendem Sonnenschein eine kühle Spezi gönnten. Was würde ich nur ohne dieses tolle Getränk machen? 😉 Dem Kasererbach konnte man sehr einfach folgen, bis dann der nächste Aufstieg wartete. Obwohl der nach diesem bereits zurückgelegten Weg sehr schwer war, schafften wir ihn und freuten uns oben am Tuxerhaus anzukommen. Der Anblick eines Skigebiets im Sommer ist wirklich heftig. Wer glaubt, dass Schnee einfach auf die Berge fällt und die Skifahrer darauf fahren, liegt falsch. Die Pisten werden aus den Bergen heraus gefräst. Trotzdem lag vor uns auch ein natürlicher Gletscher, der inzwischen abgedeckt werden muss, damit er im Sommer nicht dahin schmilzt. Wir kochten gemütlich neben der Hütte und ließen uns den traumhaften Sonnenuntergang auf einem Nebengipfel nicht nehmen. Die Hütte wurde ebenfalls betrieben von einem Hüttenwirt, der wohl ein bisschen geizig ist. Nachdem er merkte, dass wir nichts konsumieren wollten und nur den obligatorischen Tee bestellten, berechnete er uns für den Tee einfach stolze 4,50 Euro, obwohl er laut Karte viel günstiger ist. Daraufhin diskutierte ich mit ihm so lange, dass er nachgab und uns das Geld wieder auszahlte. Nein, Selbstversorger, die nur die Übernachtung und den Infrastrukturbeitrag zahlen wollen, sind nicht mehr willkommen in den Alpen, wie das mal üblich war.

Zwischenstopp in Kasern. Auch in diesem Tal lässt es sich sehr gemütlich wandern.

Zwischenstopp in Kasern. Auch in diesem Tal lässt es sich sehr gemütlich wandern.

Blick auf Ausläufer des Tuxer Gletscher.

Blick auf Ausläufer des Tuxer Gletscher.

Skigebiete im Sommer sind für mich immer ein grauenvoller Anblick.

Skigebiete im Sommer sind für mich immer ein grauenvoller Anblick.

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