Gletscherkurs

Gletscherkurs am Dachstein, Österreich

So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Zuhause sind es 30 Grad, ich stehe hier tatsächlich im Schneesturm und Eisregen prasselt gegen meine Kleidung sowie die freien Lücken des unbedeckten Gesichts. Bin ich eigentlich des Wahnsinns? Aber wir suchten das Abenteuer, es sollte mit Bergen zu tun haben und etwas Neues sein. Wir sollten genau das kriegen…

Aufstieg zum Dachstein.

Aufstieg zum Dachstein.

Schnell gelernt: Wie seilt man sich an?

Schnell gelernt: Wie seilt man sich an?

Aber alles der Reihe nach. Ursprünglich hatten Johannes und ich beim DAV einen Gletscher-Kurs gebucht, aber wegen Bergführermangel fiel dieser aus. Also suchten wir uns privat einen Bergführer, der uns ein entsprechendes Angebot machte und diese Entscheidung sollte sich auszahlen. Aber dazu später mehr. Elisabeth war nun auch mit im Boot, außerdem Katrin, eine Freundin von Heli. Unser Ziel war der Gletscher am Dachstein in Österreich. Mit einem Mietwagen fuhren wir zu Heli, unserem Bergführer und seiner Frau, die uns schon erwarteten und herzlich empfingen. Wir richteten uns ihrer Ferienwohnung für Gäste ein und waren verblüfft: Als Hüttengewöhnte hatten wir plötzlich alles. Nicht nur fünf Schlafgelegenheiten für uns drei, sondern auch ein Bad mit Fußbodenheizung und einer Dusche in die vier Leute reinpassen würden, eine riesige Küche und Platz so viel wir wollten. Dazu eine Terrasse mit einem Ausblick auf die Berge. Also hier konnte man es aushalten! Nach dem selbstgekochten Abendessen die erste Einführung. Ausrüstung checken, ergänzen usw. Auch das war sehr interessant. Vieles hatten wir ja schon, aber nicht alles. Was wir nicht hatten, ergänzte Heli einfach.

Unser Bergführer Heli. Im Hintergrund: Das eingeschneite Gipfelkreuz.

Unser Bergführer Heli. Im Hintergrund: Das eingeschneite Gipfelkreuz.

Am nächsten Morgen ging es dann mit der spacigen Gondel zur Bergstation. Und hier ging es los. Einpacken in Kleidung, Gurt anlegen, Karabiner einhängen, Schnüre richtig binden, Helm aufsetzen, usw. Heli sah uns zufrieden an. So in kompletter Montur gefielen wir ihm. Das Wetter: Nun ja. Schneesturm war den ganzen Tag angesagt, aber mit der Kleidung war das eigentlich kein Problem. Wir lernten zuerst das Anseilen und die Fortbewegung auf dem Gletscher und schon standen wir Knietief im nassen Schnee. An einer 80 Grad steilen Kante sollten wir nun die Spaltenbergung üben. Heli bat mich einfach runterzuspringen. Da runter? “Ja, du hängst am Seil. Kann nichts passieren!” Na gut. Ich war ein bisschen zögerlich, jedenfalls war ich schnell gerettet. Als nächstes sprang Johannes ein bisschen weniger zögerlich, während Katrin ihn bergen musste. Elisabeth sollte mich bergen und ich bekam erneut das Signal zu springen. Motiviert durch Johannes sprang ich wieder und Elisabeth hob es fast aus den Schuhen. Sie konnte aber den Fall stoppen und zog mich mit dem selbstgebauten Flaschenzug wieder nach oben. Wir übten die Konstruktion noch ein Mal, bis wir zu einer Hütte aufbrachen. Nach der Anstrengung verfielen wir erst mal unseren Lunchpaketen und genossen einen Tee in der warmen Hütte.

Orientierung auf dem Gletscher ist ein sehr wichtiges Thema und gleichzeitig sehr schwierig. In Zeiten von Smartphones benutzt niemand mehr eine Karte und einen Kompass. Zeit, es zu lernen! Heli zeigte uns, mit dem Kartenmaterial und dem Kompass umzugehen, was gar nicht so einfach ist. Trotzdem fanden wir tatsächlich die beiden gesuchten Felsen, obwohl die Sicht fast Null war. An einem weiteren Abhang lernten wir noch mehr Knoten und dieses Mal sprang Heli runter. Wir zogen ihn dann nach einer kleinen Diskussion, wie das denn funktioniert wieder nach oben. Er zeigte sich zufrieden. Nun war es an der Zeit, wieder zur Gondel zurückzugehen – wollten wir doch die letzte Bahn noch erwischen.

Wir waren sehr erschöpft und hungrig. Daher kamen die Tortellini in Schinken-Käse-Sahne-Soße, die ich für uns alle kochte nur recht. Müde fielen wir ins Bett und sollten morgen noch mal einen harten Tag vor uns haben.

So kann der Tag kommen. Ordentliches Frühstück in der Ferienwohnung.

So kann der Tag kommen. Ordentliches Frühstück in der Ferienwohnung.

Nach einem deftigen Frühstück ging es wieder mit der Gondel rauf zum Dachstein. Das Wetter war schon deutlich besser und die Gondel auch voller. Unter den Touristen fielen wir mit dieser Robo-Cop Ausrüstung auf. Ein paar fuhren sogar unwissend mit kurzer Hose nach oben, nur weil es im Tal sehr warm war. Unser heutiges Vorhaben: Ein Aufstieg auf den Hohen Dachstein. Wir seilten uns an und legten los. Heli fand trotz der Sichtweite von 20 Metern blind den Einstieg zum Klettersteig. Bis dahin wurde das Gelände immer steiler und die Sichtweite immer geringer. Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr den ersten in der Reihe sehen. Dieses Mal schleppten wir zudem ein Klettersteig-Set mit. Wir sollten ja auch lernen damit umzugehen. Der Klettersteig wurde wirklich immer abenteuerlicher, aber das war genau meins. An Abhängen herum klettern und balancieren. Sehr cool! Und irgendwann tauchte er dann auf. Das völlig eingeschneite Gipfelkreuz. Wir freuten uns, hier oben zu sein und blieben eine Weile. Aber der Schneesturm, der uns immer noch umgab, zwang uns zur Umkehr. Also stiegen wir wieder ab. Dabei lernten wir gleich das Abseilen, da uns eine andere Gruppe etwas unbeholfen entgegenkam und wir ausweichen mussten. Kaum waren wir unten war das Wetter richtig schön. Nur unser Dachstein hing immer noch tief in den Wolken. Eine Rast war jetzt angesagt und wir erfreuten uns wieder an den Lunchpaketen mit belegten Semmeln, einem Ei, einem Mars-Riegel, einem Apfel und einem Päckchen Traubenzucker. Genau die richtige Stärkung für die nächsten Übungen.

Endlich Schönwetter und wir drei strahlen. :-)

Endlich Schönwetter und wir drei strahlen. 🙂

Beim Mittagessen lernten wir übrigens etwas über den Gletscher selbst. Wie er entstanden ist, wie er fließt, wie die Gehrichtung sein sollte, aber auch wie man ihn schützt und kommerziell nutzt. Zum Abschluss des Tages sollten wir noch üben, wie man sich gegenseitig sichert, wenn man aufsteigt. Dazu ging ich in den Vorstieg und rammte den Eispickel in den Schnee. Damit konnte ich mich über eine Bandschlinge selbst sichern, während ich Johannes sicherte, der nun nachkam. Der Tag war nun wieder zu Ende und ich konnte endlich mal meine Kamera auspacken, die ich bis jetzt wegen des Wetters schön im Rucksack ließ.

Zum Abschluss des Tages gab es meine Spezialität: Rahmschwammerl mit Breznknödel. Süßigkeiten standen als Nachtisch bereit, denn immerhin spielte Deutschland heute gegen Ghana und unsere Wohnung hatte doch tatsächlich einen Fernseher! Nicht einmal hier muss man auf die WM verzichten. 😉

Die Aussicht vom Gletscher und ins Tal ist spektakulär!

Die Aussicht vom Gletscher und ins Tal ist spektakulär!

Schon der letzte Tag? Ja, tatsächlich. Schade! Gerade jetzt, wo es Spaß macht! Heli sollte uns heute auch wieder nicht enttäuschen und mit uns richtig tolle Sachen machen. Unser erster Eindruck oben: Toll! Sonne satt und ein Blick auf weit entfernte Berge. Sehr, sehr cool! Die erste Übung heute: Gehen mit Steigeisen und mit Pickel. Das ist gar nicht so einfach wie es zunächst aussieht, aber schnell hatten wir die Frontalzacken- und Vertikalzackentechnik raus. Wieder übten wir das Mehrseillängengehen und das gegenseitige Sichern. Im Anschluss waren wir bei einem Klettersteig, wo wir uns einklinkten. Den Berg kletterten wir hoch und machten eine kurze Rast. Im Anschluss war das Prusiken an der Reihe. Wenn man in eine Spalte fällt kann man sich auch selbst befreien wie diese Technik zeigt. Mit den wenigen Schnüren, die wir hatten bauten wir eine Art Mini Leiter und zogen uns nach oben. Aber damit nicht genug. Heli sagte, es mache besonders Spaß, wenn wir uns von einer Hängebrücke abseilen und uns dann hochziehen. Da wird einem schon schwindelig, wenn unter dieser “Hängebrücke”, bestehend aus drei Seilen(!), für ca. 30 Meter rein gar nichts kommt. Wir seilten uns ein Stück runter und nach dem Hochklettern wurden wir nach unten gelassen. Mich verließen aber relativ schnell die Kräfte, weil ich nicht besonders sparsam mit ihnen umgegangen bin. Ich muss wieder öfter klettern gehen. Die Übung war trotzdem schon ein Abenteuer für sich. Unten setzte Johannes kurz den Helm ab und ließ ihn aus Versehen fallen. Er donnerte zig Meter in die Tiefe und wir sahen ihn ganz klein im Schnee. Na gut, wir mussten ja eh da runter. Also perfekt für eine Abseilübung mit Prusiktechnik und Abseilachter. Unten dann die Überraschung: Der Helm war ganz. Und sogar die Helmkamera war unbeschadet. Nicht schlecht!

Abseilen von einer Hängebrücke, die nur aus ein paar Seilen besteht.

Abseilen von einer Hängebrücke, die nur aus ein paar Seilen besteht.

Die letzte Übung war wieder ein super Klettersteig. Schön, dass wir das noch machen durften! Teilweise gab es hier für mehrere Meter keine Stufe, also drückte ich meine Füße gegen den Fels, hielt mich an den Händen am Seil fest und vertraute auf meine Sicherung. Das war ein Erlebnis noch mal zum Schluss!

Die "Treppe ins Nichts" ist vor allem bei Touristen sehr beliebt.

Die “Treppe ins Nichts” ist vor allem bei Touristen sehr beliebt.

Jetzt stand noch das Touristische auf dem Programm. Ein Gang über den Skywalk mit der sogenannten “Treppe ins Nichts”. Nebenan, der unterirdische Eispalast mit Skulpturen aus Eis, in dem wir aber nicht drin waren. Und natürlich eine erfrischende Spezi im gigantischen Restaurant mit dem Panorama Ausblick. Auch hier waren wir inmitten des Kommerzes eher Exoten, was mich an die anderen Reisen erinnerte. Ein schöner Abschluss war das und wir fuhren wieder nach München zurück.

Heli und seine Frau haben super Arbeit geleistet und wir hatten so unendlich viel Spaß auf dem Gletscher und auch unten. Wir hatten ja sowas von Glück bei ihnen gelandet zu sein! Ein super Bergführer, der uns nicht nur viel beibrachte, sondern auch mit seiner Frau uns in einer eigenen Ferienwohnung beherbergte.

Kontakt: Berg- und Abenteuerschule Heli Rettensteiner, Vorberg 170, 8973 Pichl/Vorberg, Austria, http://www.bergundabenteuer.at, Kosten Gletscherkurs: 280 Euro / Person zzgl. Anfahrt & Gondel.
Gesamtkosten: Mit Essen, Mietwagen, Benzin, Gondel, ein paar Getränken oben am Berg und Kursgebühr kamen wir auf 401,20 Euro pro Person.

Epilog: An sich hatten wir echt Glück: Der Kurs beim DAV ist erheblich teurer, denn die Kursgebühr ist nur das eine. Dazu kommen die Übernachtung auf der Hütte, die sehr teure verpflichtende Halbpension (Essen, das per Hubschrauber auf die Hütte geliefert wird!) und das Ausleihen der Ausrüstung. Die Anfahrt ist dabei auch noch nicht drin, genauso wenig wie die 2min Dusche, für die man zahlen muss. So kommt man schnell auf 600-700 Euro für 4 Tage.

4 thoughts on “Gletscherkurs

  1. Hört sich in der Tata aufregend an, und ein echter Schnappen dazu. Wer braucht da schon Hubi-Food? Aber ich fürchte, die Hängebrückenabseilaktion bekomme ich in dieser Form nicht durch den Famlienrat 🙂

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s