Myanmar – Teil 2 Zentralmyanmar

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Myanmar – Teil 2: Zentralmyanmar

Die Hauptsehenswürdigkeiten Myanmars auf der klassischen Rundreise

Am ersten Tag flogen wir nach einem Marktbesuch, wo wir Gemüseufos (wir tauften sie auf diesen Namen) und eine Mango (hierzulande sehr köstlich!) aßen, von Yangon nach Bagan, einem gigantischen Pagodenfeld. Ein Flug innerhalb Myanmars ist ebenfalls außerordentlich interessant. Eine Anzeigetafel gibt es nicht. Jegliche Einfuhr von technischen Geräten ist Myanmar nicht erlaubt, dafür sorgen die internationalen Sanktionen. Daher ist die Bevölkerung vielmehr auf Handarbeit angewiesen. Nicht nur Wäsche wird so gewaschen (Maschinen sind verpönt), sondern auch Felder werden mit Gießkannen bewässert, Straßen manuell(!) gebaut und eben am Flughafen werden Durchsagen von jungen Leuten mit lauten Stimmen und einem Schild vorgenommen. Man weiß sich eben zu helfen. Auch einen festen Sitzplatz gibt es in den Propellermaschinen nicht – “free seating” ist hier angesagt.

Bekommt man an jeder Ecke. Wir nannten sie "Gemüseufos".

Bekommt man an jeder Ecke. Wir nannten sie “Gemüseufos”.

"Anzeigetafel" in Myanmar.

“Anzeigetafel” in Myanmar.

Bewässerung eines Feldes per Gieskanne.

Bewässerung eines Feldes per Gieskanne.

Bagan ist ein toller Ort um zu verweilen. Die “Eintrittskarte” für das riesige Museumsgebiet, muss man gleich am Flughafen kaufen. Dann fährt man mit dem Taxi durch das Pagodenfeld zum Hotel. Wir hatten ein Zimmer im Thiri Malar Hotel in New Bagan gebucht. Dieser Ort ist als Ausgangsort für Erkundungen praktisch, da er genau in der Mitte liegt. Das Abendessen verbrachten wir zusammen mit anderen Reisenden, die wir kennengelernt hatten in einem Restaurant am Fluss. Der Sonnenuntergang konnte sich sehen lassen. In Myanmar sind sie anscheinend besonders schön.

Sonnenuntergang über dem Fluss bei Bagan.

Sonnenuntergang über dem Fluss bei Bagan.

Es gibt einen richtig guten Weg, Bagan zu erkunden, der aber sehr anstrengend ist: mit dem Fahrrad. Bei unsäglicher Hitze – Schatten gibt es kaum – packt man sich jede Menge Wasser ein und legt los. Die Pagoden und Stupas sind wirklich beeindruckend. Wir fuhren und fuhren immer weiter in das Feld hinein. Inmitten des historisch und kulturell bedeutsamen Feldes hat die Regierung einen teuren und hässlichen Aussichtsturm mitten ins Nichts gebaut. Lange haben wir uns an diesem Gebilde bei der Fahrt orientiert, aber er kam kaum näher. Irgendwann kamen auch keine Pagoden mehr, das Wasser ging zur Neige – ein echtes Problem bei 37° C im Schatten. Wir bogen links von der Hauptstraße ab in eine Siedlung von vier Häusern. Fragen konnten wir hier niemanden, denn nur wenige in Myanmar sprechen Englisch. Wir hatten uns verfahren, soviel war klar. Plötzlich kam ein Mönch auf uns zu und fragte, wo wir herkämen. Ein Glück er konnte Englisch und das mitten im Nichts! “Habt ihr euch verfahren?” Wir bejahten. Ja, er verstehe das. Jeder, sagte er mit einem Lächeln, der hier herkomme, habe sich verfahren. Da vorne fehle ein Schild. Geschätzte fünf Mal im Jahr passiert das anscheinend. Er bekommt also selten Besuch. Aber es sollte – wie geschrieben – unser Glück sein. Er als Mönch macht hier nichts außer zu meditieren bzw. zu beten und bietet jedem Besucher (es sind ja nicht viele) eine Flasche Wasser sowie eine Karte an. Das hat er sich zur Aufgabe gemacht. Und genauso geschah es. Wir bekamen sogar noch eine Stärkung in Form von leckerem traditionellem Essen. Mit seinem guten Englisch erzählte er uns viel von Myanmar – über Schule, Politik und Gesellschaft. Als wir ihm erzählten, dass wir aus Deutschland sind, erwartete ich wieder ein freudiges Gesicht und gleichzeitig die Frage, wo das denn genau liegt. Aber er sagte: “Wait here.” Er kam wieder heraus, grinste und zeigte uns eine Postkarte, auf der stand: “Nein zu S21”. Er wusste blendend Bescheid. “You know S21? *haha* They are against it, but they lost in the election! *haha*” Wir lachten und waren wirklich baff, was er wusste. Das war noch ganz aktuell. Eine Frau kommt jährlich hier her und versorgt ihn mit aktuellen Zeitungen auf Englisch. Ein Segen in dem abgeschotteten Land. Auch sie hatte sich verfahren.

Pagoden soweit das Auge reicht: Bagan.

Pagoden soweit das Auge reicht: Bagan.

Am nächsten und übernächsten Tag starteten wir wieder mit dem Fahrrad durch das Pagodenfeld und erkundeten einen Tempel nach dem anderen. In manche kann man hineingehen, auf andere wiederrum klettern und die Aussicht genießen. Immer wieder sahen wir dabei die Busreisenden, mit denen wir teilweise ins Gespräch kamen. Einige fühlten sich da sehr wohl, andere wollten schon der Freiheit wegen mit uns tauschen. Als sie hörten, dass wir das Gleiche für die Reise bezahlten wie sie, waren sie ganz baff. Vor allem mit dem Hintergrund, dass wir fünf Wochen statt lediglich zehn Tage unterwegs waren, wie die Touristen im Bus. Bspw. beim Sonnenuntergang – ein Muss in Bagan – wurde die Differenz der Freiheitsgrade sehr deutlich. Kurz bevor die Sonne unterging trieb deren Reiseführer seine Gruppe ein – fast 50 Personen. Der Bus wartete und das Abendessen im Hotel auch. Sehr schade, sie verpassten ein Highlight.

Sonnenuntergang in Bagan.

Sonnenuntergang in Bagan.

Pagodenfeld in Bagan im Nebel.

Pagodenfeld in Bagan im Nebel.

Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Mandalay, eine recht große Stadt mit einem gigantischen Verkehrsaufkommen. Wir lernten schnell, dass wir mit umherlaufen nicht weit kommen würden und nahmen, Taxen, Busse bzw. Kutschen zur Fortbewegung. Die Stadt selbst hat uns aufgrund ihrer überfüllten Straßen nicht so gut gefallen, aber die Umgebung dafür umso mehr. In der Stadt gab es ein Restaurant in der Nähe, in dem wir für exakt 1,73 Euro essen gingen. Dafür bekommt man dort eine Hauptspeise, einen Tee sowie ein kühle Coca-Cola – und das für zwei Personen inklusive Gratisblicke der Einheimischen. Unsere erste Attraktion führte uns zu einem Kloster, einer weiteren Mönchsspeisung. Im Vergleich zu der in Bagan ging das aber hier, zumindest für unseren Geschmack, definitiv zu weit: Einer einzige Touristenattraktion! Hunderte Reisende aus unzähligen Bussen warteten hier. Wir sind daher schnell weiter zur U-Bein Bridge gelaufen, was schon deutlich besser war. Eine Brücke aus reinem Teakholz. Wunderschön und hierzulande wohl unbezahlbar. Außerdem gab es den enormen Kontrast zur lauten, hektischen Stadt. Mittags wollten wir in einem “westlichen” Restaurant essen, um mal eine Abwechslung von Reis und Hühnchen zu bekommen, aber das Essen war nicht sehr gut. Kleiner Tipp an dieser Stelle: Keine Restaurants aus den Reiseführern nehmen, immer kleinere, unbekannte. 😉 Abends wollten wir dann noch den Palast besichtigen, der aber leider geschlossen war. Und so sahen wir uns den Sonnenuntergang dort an und übten uns am “Trimm-dich-Pfad”. Also doch noch ein gelungener Tagesabschluss.

U-Bein Bridge aus Teakholz.

U-Bein Bridge aus Teakholz.

Touristenmassen bei der Möchsspeisung in Mandalay.

Touristenmassen bei der Möchsspeisung in Mandalay.

Mit dem Bus fuhren wir nach Monywa, ein sehr lohnenswertes Ausflugsziel von Mandalay. Hier fanden wir ein sehr schönes Hotel mit Bungalows, sehr gemütlich. Wir wechselten wieder mal Dollar in Kyat, der Währung Myanmars um. Das ist immer ein aufwendiges Unterfangen, denn man braucht dafür vor allem eine große Tasche. Für 100 US-Dollar bekamen wir zwischen 70-80.000 Kyat. Meistens in 1000er Scheinen. Da fühlt man sich doch gleich mal reicher. 😉 Generell muss man immer sämtliches Bargeld, das während der Reise benötigt wird plus eine eiserne Reserve mitnehmen, denn Geldautomaten gibt es aufgrund der Sanktionen nicht.

Geld, Geld, Geld. Wer nach Myanmar reist, muss alles mitbringen, was er braucht. Kyat gibt es fast nur in 1000er Scheinen. Dadurch bekommt man bündelweise Geld. ;-)

Geld, Geld, Geld. Wer nach Myanmar reist, muss alles mitbringen, was er braucht. Kyat gibt es fast nur in 1000er Scheinen. Dadurch bekommt man bündelweise Geld. 😉

Mit einem Boot, das die Einheimischen euphemistisch “Special Boat” nennen, setzt man über den Fluss über. “Special” gibt es sehr oft. Es ist das Synonym für teuer und unnötig. Während die Einheimischen für Cent Beträge den Fluss überqueren, alle in einem Boot, bekommen die Touristen ein “eigenes” Boot. Das sind zwar nur 2,50 Euro für uns beide, trotzdem ist das sehr surreal, neben dem vollbesetzten Boot zu fahren. Einsteigen zu den Einheimischen darf man übrigens auch nicht. Das ist noch ein Relikt aus der Zeit, wo Einheimische von Touristen strikt getrennt wurden, selbstredend aber auch, um Kasse zu machen. Hier wurde das nie aufgehoben. Mit einem Jeep geht es weiter zu den sehr beeindruckenden Hpo Win Daung-Höhlen. 492 kleine, aufwendig bemalte Höhlen warteten auf uns. Ein sehr schönes Gebiet, wofür man leider aber einen Reiseführer nehmen muss, da die meisten schwer auffindbar sind. Auf der Fahrt hierher stoppte der Geländewagen an einer Prozession zur Weihung eines Tempels. Das war reichlich außergewöhnlich. So hatten wir einen wirklich lohnenswerten Ausflug.

Hpo Win Daung Höhlen. Natürlich mit vielen Buddhas.

Hpo Win Daung Höhlen. Natürlich mit vielen Buddhas.

 

Prozession auf dem Weg zu den Hpo Win Daung Höhlen.

Prozession auf dem Weg zu den Hpo Win Daung Höhlen.

Mit dem Bus fuhren wir nun nach Mandalay zurück. Von dort aus wollten wir nach Kalaw fahren und ein Zweitagestrekking quer durch eine ländliche Region bis zum Inle See machen. Außerdem, im dritten Teil, der wunderschöne Ngapali Beach mit Palmen, Meer und Melonen. Diese beiden Highlights sollten die Reise in Myanmar krönen. Dazu mehr hier…

One thought on “Myanmar – Teil 2 Zentralmyanmar

  1. Toll toll toll!!!!! Klasse geschrieben, ich freue mich hier gerade so riesig, weil mich das wieder so sehr an unsere traumhafte Myanmar-Reise erinnert! Leider hatten wir nur 9 Tage und konnten vieles was du gesehen hast nicht mehr besuchen- aber um so mehr ein Grund um noch mal herzukommen! 🙂 Schön, dass du auch individuell unterwegs warst- für uns die schönste Art zu reisen, wenn auch wir eher Low-Budget in Home Stays und nicht in Hotels genächtigt haben… Toll! LG, Miri mit Andy und Skar

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