Indonesien III – Flores, Komodo und Sulawesi

Ein Flug mit einer alten Propellermaschine, einmal alleine sein im Dschungel, ein Besuch bei den letzten Dinosauriern, ein blutiges Spektakel und schneeweiser Sand bei türkisenem Wasser. Indonesien verzauberte uns noch mal, ließ den Puls höher schlagen und uns ein Abenteuer nach dem anderen erleben.

Mit der abenteuerlichen Propellermaschine hoben wir auf Bali ab. Es wackelte während wir über die Insel Sumbawa flogen. Ich hatte noch nie einen Flug mit “free-seating”, was äquivalent zu “setz dich hin, wo du willst” ist. Immer wieder tuckerte der Motor – es gab nur zwei Propeller – und der Blick durch die Frontscheibe des Flugzeugs möchte man gar nicht erwähnen. Aber der Flieger kam überaschender Weise auf Flores an. Dort standen auch schon am Flughafen unzählige Tuk-Tuk Fahrer an der Scheibe kleben. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Einfach übers Rollfeld gehen. Gepäck kommt gleich. ;-)

Einfach übers Rollfeld gehen. Gepäck kommt gleich. 😉

Der Ort Labuanbajo, im Touristenjargon auch einfach “LBJ” genannt hat es in sich. Es ist der mit Abstand schmutzigste Ort in Indonesien, den ich bisher sah. Wir nahmen das “beste” Hotel des Ortes mit einem Bad zum rückwärts-wieder-herausgehen und buchten gleich die Tour zu den Komodo Inseln. Denn diese Tour startete zur unchristlichen Zeit um ca. 5 Uhr morgens noch vor Sonnenaufgang. Oje, und das bei mir! Abends fanden wir tatsächlich einen niedergelassenen Italiener, der Pizza nach original-italienischer Art zubereitet. Es war natürlich für Landesverhältnisse sehr teuer, aber die Pizza schmeckte wirklich gut. Nach Wochen mit abwechselnd “Fried Rice mit Chicken” und “Chicken mit Fried Rice” waren wir über unser Essen sehr begeistert.

Die ziemlich dreckige Stadt Labuanbajo.

Die ziemlich dreckige Stadt Labuanbajo.

In aller Herrgottsfrüh stiegen wir in ein Boot, das nur für uns fuhr. Ein Frühstück auf dem Boot und einen Schnorchelstopp auf der Rückfahrt gab es gleich gratis dazu. Der Sonnenaufgang auf dem Wasser war schlichtweg phantastisch. Mal etwas ganz besonderes. Nach Stundenlanger Fahrt dockten wir auf der Insel Komodo an. Wir bekamen einen Guide gestellt, der uns die gesamte Zeit auf der Insel herumführen und uns mit einem speziellen Stock ausgestattet vor den Tieren schützen sollte. Beim ersten Waran musste ich zweimal hinschauen, obwohl er meterlang war. Aber die Tarnung ist wirklich gut. Wir waren beeindruckt von der Schnelligkeit der Tiere und deren Größe. Eine Mahlzeit sind ca. 60 kg und dann ist ein Waran tagelang satt. Keine gute Voraussetzung, um sich direkt mit einem solchen anzulegen.

Sonnenaufgang auf dem Meer.So kann der Tag kommen.

Sonnenaufgang auf dem Meer.So kann der Tag kommen.

Eindrucksvoll sind die Komodo Warane - und sehr schnell.

Eindrucksvoll sind die Komodo Warane – und sehr schnell.

Wir wanderten einen Berg hinauf, den unser Guide nur so hochrannte. Er spielte sein Programm eben durch, wie er es wahrscheinlich immer machte. Aber irgendwann ging mir die Puste aus und mir wurde schwarz vor Augen. Die sengende Hitze und das fast schon Rennen setzten meinem Kreislauf zu und ich konnte nicht mehr. Mitten im dichten Dschungel blieben wir stehen und machten daher eine Rast. Mein Mitreisender und der Guide gingen dann selbst noch zum Gipfel und nun stand ich da entgegen der Regeln alleine mitten im Dschungel. Als Möglichkeit der Selbstverteidigung gab mir der Guide seine “Waffe” diesen Stock mit dem geschnitzten Zweizack. Sehr interessant, diese Kombination. Ein Guide ohne Stecken mit meinem besten Freund und ich hier ohne Guide mit einer Art Waffe, die ich nicht zu bedienen wusste. Ich lernte. 1. Der Dschungel ist nie leise. 2. Man ist nicht alleine. 3. Dumme Idee! Hinter mir raschelte es und ich fuhr herum. Ich wusste, diese Vierbeiner würden sich keine Zeit lassen zum Angriff und sind intelligent. Plötzlich sah ich wieder in die andere Richtung und sah einen Baby Waran, der mich ansah. Ich glotze zurück und fuchtelte hilflos mit dem Stock. Er verschwand wieder und ich ärgerte mich über die Situation – und dass meine Kamera natürlich bis nach oben mitgenommen wurde. Zum Glück kam die Mama nicht. Die beiden anderen kamen ebenfalls erschöpft wieder. Aber nun hat mein Freund seine Kamera oben liegen gelassen. Also zog der Guide noch mal alleine los und holte die Kamera, sollten die Warane sie nicht schon gefressen haben. Und wieder waren wir alleine. Das Rascheln nahm wieder seinen Lauf, aber der Guide rannte, wie er nur konnte und war schnell wieder da – samt Kamera. Der Guide schüttete sich eine komplette Flasche über den Kopf.

Komodo Waran. Ein Überbleibsel der Dinosaurier.

Komodo Waran. Ein Überbleibsel der Dinosaurier.

Ab durch den Dschungel!

Ab durch den Dschungel!

Ausblick über Komodo.

Ausblick über Komodo.

Wieder unten war er froh, uns los zu sein, wir aber auch froh, wieder auf dem Boot zu sein, das uns zurückfahren sollte. Nach einem Stopp für ein kurzes Schnorcheln tuckerten wir langsam im Sonnenuntergang wieder nach LBJ zurück. Der Sonnenuntergang war übrigens mindestens genauso schön.

Sonnenuntergang auf dem Meer zwischen Komodo und Flores.

Sonnenuntergang auf dem Meer zwischen Komodo und Flores.

Schon fuhren wir wieder zum Flughafen um zuerst zurück nach Bali und dann gleich weiter nach Sulawesi zu fliegen. Einen Direktflug gab es leider nicht. Und wieder dachte ich an nichts Gutes, als ich in den Flieger stieg, aber es ging erneut alles gut. In Bali sind wir umgestiegen in eine andere Fluglinie und in eine nagelneue Boeing. Wir staunten. Was für ein Kontrast es doch in diesem Land gibt. In Makassar fuhren wir direkt mit dem Sammeltaxi zum zentralen Einkaufszentrum und von dort ins Hotel. Das Hotel war wirklich klasse und wir sollten immer wieder kommen. Die Angestellten freuten sich immer wieder am Telefon über die Buchung von “Mr. Christian”, wie sie mich nannten. Wir wollten gar nicht lange bleiben und gleich weiterfahren nach Rantepao, einem Bergdorf in der Toraja Gegend. Die Fahrt dauert den ganzen Tag. Abends fanden wir schnell einen Guide namens “Anton”, der uns einen Tag lang die Gegend zeigen. Jeder Indonesier, der im Tourismus arbeitet, hat sich einen westlichen Namen zugelegt. Mit seinem Glasauge wirkt er anfangs etwas seltsam, sollte sich aber als bester Guide unserer Indonesienreise herausstellen.

Reisterrassen in Tana Toraja, Sulawesi.

Reisterrassen in Tana Toraja, Sulawesi.

Die Tour führte uns zuerst zu schönen Reisterrassen und gleich danach zu einer Beerdigung. Richtig gelesen – eine Beerdigung! Diese Zeremonien sind weltbekannt und folgen einem blutigen Ritus. Als Tourist kann man daran teilnehmen, wenn man ein kleines Geschenk, wie Zigaretten, mitbringt. Je nach Reichtum der Familie wird eine bestimmte Anzahl an Tieren geschlachtet und verspeist. Und das können sehr viele werden. Dabei herrscht eine eigenartige Stimmung. Die Familienmitglieder unterhalten sich angeregt miteinander und die Kinder spielen zwischen den sterbenden und verblutenden Tieren. Es gilt hier als Ehre, jemanden zu verabschieden und das wird gefeiert. Das besondere: Die Zeremonie findet erst statt, wenn die gesamte Familie, die teilweise auf der ganzen Welt zerstreut sind, Zeit hat. Das können bei hunderten Personen durchaus mal einige Jahre sein. Der Anblick ist für uns Europäer natürlich gewöhnungsbedürftig und nichts für schwache Nerven, für Menschen, die kein Blut sehen können, oder gar für Tierschützer. Es ist aber nun mal eine Zeremonie im Rahmen der Tradition. Mit dem gekochten Fleisch wird  übrigens die gesamte Bevölkerung mit ernährt, nichts wird weggeworfen. Pro Tier, das geschlachtet wird, muss eine Steuer bezahlt werden. Die Region Tana Toraja finanziert sich hauptsächlich über diese Einnahmen der zahlreichen Beerdigungen.

Blutige Zeremonie in Tana Toraja.

Blutige Zeremonie in Tana Toraja.

Teil der Beerdigungen in Tana Toraja ist das blutige Zerlegen der Tiere.

Teil der Beerdigungen in Tana Toraja ist das blutige Zerlegen der Tiere.

Hier ein bereits gegrilltes Schwein. Die Prozession ist nichts für Vegetarier. ;-)

Hier ein bereits gegrilltes Schwein. Die Prozession ist nichts für Vegetarier. 😉

Weiter ging es mit einem Jeep zu Reisterrassen und traditionellen Reisspeichern, die zu unserer Reisezeit – nach der Regenzeit – grün überwuchert sind. Außerdem durften wir die Grabanlagen der Einwohner sehen. Es ist ein wirklich gruseliger Tag. Die Toten werden möglichst originalgetreu nachgebildet und eingekleidet. Zudem sieht man jede Menge Knochen herumliegen.

Reisspeicher in Tana Toraja, Sulawesi.

Reisspeicher in Tana Toraja, Sulawesi.

Erschreckend detailgetreu. Grabanlagen in Tana Toraja, Sulawesi.

Erschreckend detailgetreu. Grabanlagen in Tana Toraja, Sulawesi.

Nach diesem Ausflug ins tiefe innere Indonesien wollten wir eigentlich noch weiter zu den Togean Islands. Man versprach uns Bilder wie auf Postkarten und Strände, die weiß wie Schnee sind. Unser Reiseführer schreibt: “It’s heavy to reach, but believe – it’s much harder to leave the islands.” Aus Zeitgründen (die Tour dauert mindestens eine Woche) mussten das aber abblasen und suchten nach einem neuen Strand, der uns ein paar Tage schenken würde. Unser Blick fiel auf Pantai Bira, der nicht ganz so schön sein sollte, aber immer noch nicht zu unterschätzen. Also wieder den ewigen Weg zurück nach Makassar, in unser Lieblingshotel eingecheckt und am nächsten Tag ins Sammeltaxi eine ganze Tagesfahrt nach Pantai Bira. In einem Kijang (so heißen die Dinger) gibt es fünf Plätze, d.h. 12 Personen passen rein. Nach der Fahrt waren wir sehr froh, in unserem schönen Bungalow unterzukommen.

Schöne Umgebung in Pantai Bira.

Schöne Umgebung in Pantai Bira.

Der Strand war absolut phantastisch. Wir konnten es kaum glauben, wo wir waren. Türkises warmes Wasser, eine wunderschöne Bucht und weißer Sand, so dass das reflektierte Licht ohne Sonnenbrille schmerzte. Ich baute eine Sandburg und immer mehr Kinder sammelten sich um mich herum, damit wuchs die Burg natürlich immer mehr.

Traumstrand Pantai Bira, Sulawesi. Hier lässt es sich aushalten! :-)

Traumstrand Pantai Bira, Sulawesi. Hier lässt es sich aushalten! 🙂

Dieser Sand ist so unglaublich weiß - und eine gute Bausubstanz.

Dieser Sand ist so unglaublich weiß – und eine gute Bausubstanz.

Die Kinder wollten gleich mithelfen.

Die Kinder wollten gleich mithelfen.

Schöne Umgebung in Pantai Bira.

Schöne Umgebung in Pantai Bira.

Zurück in Makassar – natürlich wieder mit einem Kijang – gingen wir wieder in das gleiche Hotel und fuhren am nächsten Tag zum Flughafen, von wo aus es wieder zurück nach Jakarta ging. Noch zwei Tag hatten wir und wir mussten uns von diesem tollen Land verabschieden.

3 thoughts on “Indonesien III – Flores, Komodo und Sulawesi

  1. Hey, cooler Bericht! Wir waren letztes Jahr auf Java, Bali und auch Flores und müssen sagen, uns hat es tatsächlich auf Flores am besten gefallen. Von Java kommend haben wir es dort als gar nicht dreckig empfunden, wir gönnten uns vier Tage im echt günstigen 4 Sterne Hotel das wirklich erstaunlicherweise europäischen Standard hatte- das war für uns Luxus pur! Rica und die Komodo Warane waren eins unserer absoluten Tour-Highlights… Vielleicht hattet ihr einfach Pech mit dem Guide? Nach Indonesien selbst wollen wir auf jeden Fall noch mal, ein wahnsinnig vielfältiges Land 🙂

    • Danke für den Kommentar. Ja, ein Highlight ist die Komodo Insel auf jeden Fall! Mit dem Guide hatten wir halt Pech, aber das kann man ja nie vorher sehen. 😉 Glücksache. Ich werde bestimmt auch wieder nach Indonesien reisen – ein tolles Land!

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