München III – München unter dem Nationalsozialismus

München III – München unter dem Nationalsozialismus

Dieser Spaziergang lässt sich zu Fuß sehr leicht in 3-4 Stunden schaffen, denn die Sehenswürdigkeiten liegen dicht beieinander. Alternativ kann auch das Rad benutzt werden. Um die Laufstrecke zu kürzen, wurden Hinweise eingebaut, wenn öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden können. Gestartet wird am Königsplatz, dann folgen Karolinenplatz, Karlsplatz (Stachus), Odeonsplatz, Platz der Opfer des Nationalsozialismus und schließlich die Universität.

Hinweis zum “Nachspazieren”: Unter “Dossiers” ist eine Datei “München III” zum herunterladen. Diese lässt sich samt Karte und Erklärungen ausdrucken und mitnehmen.

=> Fotos zu diesem Artikel sind in Arbeit

München war im Dritten Reich laut Propaganda Hitlers “Hauptstadt der Bewegung” und “Hauptstadt der Kunst”. Hier startete der erst mittellose und unbedeutende Hitler seine Karriere als politischer Redner in der Arbeiterpartei und lernte entscheidende Personen aus der Oberschicht kennen, die ihn salonfähig machten. Auch wurde die NSDAP hier gegründet. Hitler versuchte in München erstmals mit Gewalt an die Macht zu kommen, was aber scheiterte. In München gibt es aber auch Orte, die an stillen und offenen Widerstand gegen das widerwärtige Regime gedenken und mahnen.

 

Wir starten den Rundgang am Königsplatz. Der heutige Königsplatz ist heute ein beliebter Treffpunkt und vor allem ein Ort, an dem Open-Air Konzerte unter der atemberaubenden Kulisse veranstaltet werden. Die Kulisse war aber leider auch ein Grund, warum die Nazis, die unter Größenwahn litten, sich den Platz für ihre Selbstdarstellung zu Nutze machten. Um den Platz herum legten sie das Parteiviertel der NSDAP an. Alle damals wichtigen Einrichtungen ließen sich hier finden. Der Königsplatz wurde zubetoniert um eine möglichst große Fläche für die jährlichen Staatsfeiern zu bieten. Auf dem Platz fand auch die Bücherverbrennung statt, an die heutzutage jedes Jahr ein Künstler mit einem Brandfleck auf der Wiese erinnert.

 

Weiter geht es in östliche Richtung zum Karolinenplatz. Auf dem Weg dahin finden sich an der Ecke Brienner-/Arcisstr. auf der linken Seite der ehemalige “Führerbau”, der Hitler für Repräsentationszwecke diente und rechts in gleicher Bauweise der Verwaltungsbau und das Reichsschatzamt der NSDAP. Außerdem auf beiden Seiten der Straße: Verwucherte Fundamente auf denen früher die beiden Ehrentempel standen. Hier gedachten die Nazis ihrer Gefallenen während des Hitler-Ludendorff-Putsches. 1947 wurden die Tempel von der amerikanischen Armee im Rahmen der Entnazifizierung gesprengt. Die Straße rechts war ursprünglich ebenfalls die Arcisstr. und wurde umbenannt in Meiserstraße. Darüber gab es allerdings Streit, denn Meiser war zwar Gegner der NS-nahen “Deutschen Christen” und wurde deshalb als Landesbischof von dem NS-Regime abgesetzt. Um die Kirche zu schützen, wurde er aber ursprünglich vom Kirchenrat gewählt, um die Kirche im Dritten Reich zu erhalten. Dies gelang ihm mit einem regierungsfreundlichen Kurs. Daher heißt die Straße nun nach der Ehefrau Martin Luthers: Katharina-von-Bora-Straße.

 

Nur wenige Meter sind es, bis zum Karolinenplatz. Auf dem Weg dahin in der Briennerstraße 34 (früher Nummer 38) stand früher das sogenannte “Braune Haus”. Hier hatte sowohl die Parteizentrale der NSDAP ihren Sitz, als auch die SA-Leitung und die Büros von hochrangigen Parteifunktionären, wie Hitler, Heß usw.). 1945 wurde der Bau bombardiert und 1951 die Reste davon entfernt. Lange Zeit wurde in der Stadt über ein Dokumentationszentrum diskutiert. Die Stadträte zögerten immer wieder aus Angst um den boomenden Tourismus in München und verkannten die Chance einen Ort der würdigen Aufarbeitung zu schaffen. Das Haus wurde endlich zu Jahrtausendwende beschlossen, ist nun fast fertig und wird am 30.4.2015 zum 70. Jahrestag des Einmarschs der US-Truppen eröffnet.

 

Ein paar Schritte weiter befindet sich der Karolinenplatz. Gleich hier (Hausnummer 5) steht die Villa Hugo und Elsa Bruckmann, die den Aufstieg der NSDAP mit Kontakten und Publikationen förderten. Hausnummer 4 war früher das Oberste Parteigericht der NSDAP.

 

Von hier lohnt sich ein Abstecher mit der Tram zum Karlsplatz (Stachus). Man kann die Strecke zu Fuß gehen (ca. 10 Minuten) oder 2 Stationen mit der Tram 27 Richtung Sendlinger Tor fahren. Der Karlsplatz bekam seinen Namen unter Kurfürst Karl Theodor. Dort gab es früher ein Wirtshaus von Eustachius Föderl. Und der war natürlich beliebt in der Bevölkerung im Gegensatz zum Kurfürsten. Deshalb nannten die echten Münchner den Platz irgendwann einfach aus Protest Stachus – bis heute. Heute steht auf Karten und Schildern daher München-gerecht “Karlsplatz (Stachus)”. Gleich nebenan findet sich der ein weiterer Ort des Gedenkens an den Widerstand. Im unübersehbaren Justizpalast (Prielmayerstraße 7) wurden die Schauprozesse gegen die Mitglieder der weißen Rose durchgeführt, die für die Geschwister Scholl mit einem Todesurteil endeten. Noch heute erinnert eine Dauerausstellung im Gerichtssaal 253 an diese Zeit.

 

Wir nehmen nun die U-Bahn Linie U5 (Richtung Neuperlach Süd) eine Station bis zum Odeonsplatz. Der Platz, den wir hier sehen, wird von Münchnern als Odeonsplatz bezeichnet, was allerdings gar nicht stimmt. Der eigentliche Odeonsplatz ist vor dem heutigen Innenministerium, was auch Schilder bezeugen. Der große Platz hat gar keinen Namen, da es ursprünglich keinen Platz gab, sondern nur die Residenzstraße und die Theatinerstraße.. Ludwig I. riss die Häuser zwischen den Straßen ab und platzierte die Feldherrenhalle (weitere Geschichte findet sich im Rundgang München I). Vor dieser Halle finden sich zwei Löwen, deren Blick nicht geradeaus, sondern nach links und rechts geht. Touristen wird gerne erzählt, dass das eine ganz bewusste Symbolik darstellen soll. Als die Nazigrößen hier ihre Reden schwangen, sollen die Menschen das ignoriert haben. Sie haben also innerlich weggesehen. Der rechte Löwe blickt daher auf die Theatinerkirche, da die Kirche sich im dritten Reich nicht eingemischt hat. Der linke blickt Richtung Regierung, die damals extrem schwach war und dem Nationalsozialismus keinen Einhalt gebieten konnte. Diese Symbolik ist natürlich verblüffend – wenn sie wahr wäre. Die Löwen wurden nämlich 1905 angebracht, weit vor dem dritten Reich. Außerdem hinkt die Geschichte, da in der heutigen Staatskanzlei damals das Armeemuseum und nicht die Regierung ihren Sitz hatte.

 

Der nächste interessante Punkt liegt nur ein paar Meter weiter. Neben der Feldherrenhalle versuchte Adolf Hitler am 9.11.1923 gegen die Regierung zu putschen. Er scheiterte an der bayrischen Polizei, die ihm an dieser Stelle entgegenkam und den Aufstand niederschlug. Zum Gedenken an die gefallenen SS-Männer wurde an der Seite ein Mahnmal von den Nazis errichtet. Jeder Münchner musste im Vorbeigehen den Hitlergruß machen. Die schlauen Münchner umgingen teilweise diese Geste, in dem sie durch die Viscardigasse, die sogenannte “Drückebergergasse” liefen. Als Erinnerung an diese stille Form des Widerstands ist heute eine Bronzespur im Boden eingelassen.

 

Wer will, kann noch einen kleinen Abstecher zum nahegelegenen Platz für die Opfer des Nationalsozialismus machen. Hier das steht das von dem Künstler Leo Kornbrust angelegte Stele mit dem ewigen Feuer. Vor der bayrischen Landesbank steht zudem eine unauffällige Gedenktafel, da hier früher die Zentrale der Gestapo stand, in der die Deportationsbefehle erstellt wurden.

Zu unserem letzten Ort des Stadtrundgangs nehmen wir von der Haltestelle Odeonsplatz die U-Bahn Linie U6 oder die Linie U3 Richtung Münchner Freiheit und fahren bis zur Station Universität (1 Station). Hier steht das schöne Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München. Direkt vor dem Gebäude auf dem Geschwister-Scholl-Platz finden sich Keramikplatten im Boden auf denen Original Flugblätter der Weißen Rose aufgedruckt sind. Im Gebäude findet sich die Gedenkstätte der Weise Rose Stiftung mit wechselnden Ausstellungen.

 

Hier endet der Rundgang. Weiter mit…

München I – Hauptsehenswürdigkeiten an einem Tag

München II – Königsplatz, Pinakotheken, Uni, Schloss Nymphenburg, Olympiapark, Tierpark, Flaucher

München IV – Ausflugsziele um München (in Arbeit)

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