Fernwandern – München bis Venedig – Teil 5

Kapitel 5: Belluno – Venedig

 

Tag 22:

Mit dem Bus ging es nach Lambroi einem kleinen Ort vor dem Nationalpark Dolomiten von Belluno. Die Strecke ist wirklich sehr schön und nicht sehr anspruchsvoll. Wir kamen vorbei an zerfallenen Häusern, kleinen Badegumpen, einer gemütlichen Wirtschaft und natürlich am Lago del Mis. Endlich waren wir letztendlich in Belluno. Einem wichtigen Etappensieg unserer Tour, schließlich hatten wir den Hauptkamm der Alpen überquert. Es war ein tolles Gefühl. In der Stadt trafen wir viele Wanderer und alle waren auf eines aus: Pizza essen. Wir füllten natürlich auch noch unsere Vorräte auf. Und so saßen wir noch lange in der Pizzeria und tauschten die Anekdoten der letzten Tage und Wochen aus. Nur wenige waren aber wirklich in München losgelaufen, sondern sind unterwegs eingestiegen. Belluno ist ein wunderschöner Ort mit einem richtigen italienischen Flair. Übernachtet haben wir in einem Kloster, das sehr gemütlich und mitten im Ort war.

Intelligente Konstruktion zum Trocknen von T-Shirts.

Intelligente Konstruktion zum Trocknen von T-Shirts.

 

Die Rolltreppen von Belluno. Man beachte den Kleiderständer gebaut aus Stöcken. ;-)

Die Rolltreppen von Belluno. Man beachte den Kleiderständer gebaut aus Stöcken. 😉

Die Altstadt von Belluno. Die Rolltreppe ist deutlich erkennbar.

Die Altstadt von Belluno. Die Rolltreppe ist deutlich erkennbar.

Tag 23:

Nach diesem Auftanken ging es wieder hinaus in die Natur. Und nun merkten wir das richtige Italien. Kleine gemütliche Dörfer mit freundlichen Einwohnern und schönen Kirchen. Immer weiter gingen wir bergauf und in den Wald hinein. Was folgte war zunehmend frustrierender. Der Wald und die Hügel nahmen einfach kein Ende. Hoch, runter, hoch und wieder runter. Und nach jeder Kuppe sieht man den nächsten Hügel. Natürlich sind die Hügel nicht mit den Bergen vergleichbar, mit denen wir es bisher zu tun hatten, aber es sind einfach viele. Wir kamen also oben an und sahen den nächsten Hügel vor uns. Und das alles im Wald. Nicht gerade motivierend. Doch dann gingen wir hoch und standen auf einmal baff da. Denn es kam: Nichts. Einfach nichts. Freie Sicht bis zum Mittelmeer, das sich am Horizont abzeichnete. Es war umwerfend. Wir waren sprachlos und hüpften und lachten miteinander. Ein tolles Gefühl! Das war es. Die Alpen lagen hinter uns. Kein Hügel mehr, alles flach. Wir mussten nur noch sprichwörtlich geradeaus gehen bis zum Meer. 23 Tage bis hier hin! Was für ein Gefühl. Wir rannten hinunter in den Ort Lago und  checkten auf einem Campingplatz in einem Mobil Home ein. Per Anhalter fuhren wir zu einem riesigen Supermarkt und füllten sämtliche Vorräte wieder auf. Wir wurden angeschaut  wie Aliens. Erwachsene Menschen, die quiekend vor dem Regal Gummibärchen anschauen, als sei das etwas Besonderes. Aber genau das war es für uns! Dieser Verzicht die ganze Zeit. Es hatte uns gelehrt, was wir alles haben und das alles nicht so selbstverständlich ist, wie es uns immer vorkommt.

 

Tag 24:

Die Nacht war heftig, denn es fegte ein Sturm über die Gegend und unsere frisch aufgehängte Wäsche – es gab eine Waschmaschine! – konnten wir gerade noch retten. Am nächsten Morgen war kaum noch eine Spur davon da und wir legten unseren Weg fort. Plötzlich merkte Stephan, dass er sein Handy gestern im Auto vergessen, das uns mitgenommen hat. Dummerweise waren darauf alle Fotos unserer Tour. Meine Kamera, die ich ja sonst auf jeden Berg mitschleppe, musste dieses Mal aus Gewichtsgründen zuhause bleiben. Wir hatten aber wirklich Glück, denn die Fahrerin von gestern fand uns zufällig, wie wir auf dem Weg in den nächsten Ort waren und gab Stephan das Handy. Das war wirklich sehr lieb von ihr. Eigentlich wollten wir durch verschlungene Wege bis nach Conegliano, landeten aber in Refrontolo. Überall gibt es immer wieder Weintrauben am Straßenrand zu naschen. Sehr lecker! Hier trafen wir auch meine Eltern, die in Venedig ein paar Tage Urlaub machen wollten. sehr praktisch, denn wir konnten einiges an unserer Bergausrüstung abgeben. Dafür nahmen wir ein Zelt und entsprechendes Zubehör auf. Das würde unsere Kosten erheblich senken. Weiter liefen wir durch die sengende Hitze und konnten uns gar nicht mehr vorstellen, wie wir noch vor wenigen Tagen im Schnee stapften. Eigentlich wollten wir nach Conegliano, landeten aber in Pieve de Soligo und waren darüber gar nicht so unglücklich. Denn der Dom konnte sich sehen lassen und wieder waren wir in einer faszinierend schönen Altstadt. Weiter wanderten wir nach Barbisano und schlugen nach dem Ort im Wald unser Zelt in einem kleinen Waldstück auf.

 

Durch Italienische Dörfer wanderten wir auf dieser Etappe besonders viel.

Durch Italienische Dörfer wanderten wir auf dieser Etappe besonders viel.

Weinreben, Dörfer und eine für uns ungewohnter weiter Blick.

Weinreben, Dörfer und eine für uns ungewohnter weiter Blick.

Richtiges Italien-Flair.

Richtiges Italien-Flair.

Tag 25:

Die Nacht war nicht sehr lang, denn immerhin wussten wir nicht, wie gerne das hier gesehen wird. Aber es war alles kein Problem. Wir frühstückten ausgiebig und liefen gleich weiter. Schließlich hatten wir eine lange Etappe vor uns. Der Weg war am Anfang noch sehr schön. Vorbei am Castello di Collalto folgten wir einer kleinen Straße bis Susegana. Hier legten wir Rast ein, kauften ein und die Rathausangestellten erlaubten uns auf die Toilette zu gehen. Sehr nett waren alle! Doch nun wurde es ungemütlich. Auf der Bundesstraße würde es nun weitergehen, vorbei an rasenden Autos, LKW und ohne Bürgersteig. Im großen Dico in Ponte delle Priula kauften wir noch unsere Lebensmittel ein und gönnten uns ein Eis. Dann bestiegen wir den Bus nach Treviso und von dort nach Lido de Jesolo. Einen weiteren Tag quer durch den Industriegürtel wollten wir uns ersparen und wegen des Verlaufens ging uns leider auch die Zeit aus. Angekommen in Lido de Jesolo suchten wir uns einen möglichst günstigen Campingplatz und landeten in Ca’ Savio. Es war wieder skurril. Wir stellten das Zelt auf und rannten zum Strand. Alle starrten uns an, als seien wir vom Mars. Aber das irritierte uns nicht, als wir uns in das Wasser schmissen. Es tat so gut. Fast einen Monat sind wir unterwegs und dann läuft Meerwasser durch die Zehen. Es ist unglaublich schön. Und das war ja noch nicht mal das Highlight, denn morgen sollten wir in Venedig sein. So richtig wohl fühlten wir uns auf der Halbinsel nicht. Denn immerhin waren hier zehntausende Touristen und von Ruhe keine Spur. Wir merkten, dass wir wochenlang mit Ausnahme von ein paar Städten ohne Zivilisation unterwegs waren. Ohne Konsumgüter und Luxusgüter und meist in völliger Ruhe. Unser Zelt stand also zwischen Luxus-Wohnwagen mit TV, Klimaanlagen, Stühlen und Tischen. Allein dieser Anblick war schon Ironie pur. Die Menschen kamen aber anders als ich es erwarten habe auf uns zu uns gaben uns Tisch, Stühle und ließen uns ihren Kühlschrank benutzen. Neugierig fragten sie, was wir machen. Und wir antworteten einfach “Wandern”. “Und wo kommt ihr her?” Aus München. “Haha, ihr seid aber doch nicht etwa… oh ihr seid!”.

 

Fast am Ziel. Man beachte die Qualität der Ausrüstung von uns und unseren Nachbarn. ;-)

Fast am Ziel. Man beachte die Qualität der Ausrüstung von uns und unseren Nachbarn. 😉

Tag 26:

Es sollte die Krönung unserer Reise werden. Wir realisierten, dass es nur noch wenige Schritte sind. Ein paar aufs Schiff und ein paar runter. Und genauso war es. Uns standen die Tränen in den Augen als wir das Schiff verließen. Venedig. Wir waren da und wurden von meinen Eltern empfangen. “Willkommen in Venedig”, sagten sie. Wir jubelten und machten unzählige Fotos. Am Markusplatz hielten wir die Wanderstöcke nach oben und jubelten. Auch hier wurden wir immer wieder von oben bis unten begutachtet, was uns egal war, strahlten wir doch über das ganze Gesicht. Wir aßen, wie sich das gehört, eine Pizza und schlenderten durch die Gassen. Kurz später war es Zeit für die Rückreise. Mit dem Auto fuhren wir in knappen sechs Stunden den Weg zurück, dem wir 26 Tage folgten.

Am Ziel. Der Markusplatz in Venedig.

Am Ziel. Der Markusplatz in Venedig.

RIalto Brücke in Venedig. Unsere Reise war hier zu Ende.

RIalto Brücke in Venedig. Unsere Reise war hier zu Ende.

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