Fernwandern – München bis Venedig – Teil 4

Kapitel 4: Brixen – Belluno

Tag 16:

Aber nun ab in die Dolomiten. Mit dem Bus waren wir schnell aus der Stadt raus und starteten in St. Magdalena mit dem Aufstieg. Das war durchaus hart,  waren doch die Rucksäcke für die kommenden Etappen randvoll mit Proviant. Über die Schlüterhütte sind wir weiter bis zur Puezhütte gelaufen. Ein wirklich schöner Ort mit einer tollen Aussicht. Hier oben konnte man gut kochen und die Hütte war sehr urig. So wie man sich das in den Alpen vorstellt.

 

Weg zur Puez Hütte.

Weg zur Puez Hütte.

Weg zur Puez Hütte

Weg zur Puez Hütte

 

Jubel nach dem Anstieg. Und schön eingepackt in "unaufällige" Kleidung waren wir auch.

Jubel nach dem Anstieg. Und schön eingepackt in “unaufällige” Kleidung waren wir auch.

Schöne Aussicht hier.

Schöne Aussicht hier.

Die Dolomiten sind eine einzigartige  Felslandschaft.

Die Dolomiten sind eine einzigartige Felslandschaft.

Das sind die schönsten Momente auf der Tour. Wenn man über den Wolken ist.

Das sind die schönsten Momente auf der Tour. Wenn man über den Wolken ist.

Kleiner weißer Punkt: Der Helikopter, der die Hütte versorgt. Denn eine Straße oder Materialseilbahn gibt es nicht.

Kleiner weißer Punkt: Der Helikopter, der die Hütte versorgt. Denn eine Straße oder Materialseilbahn gibt es nicht.

Auf dem Weg zur Puez Hütte. Die Dolomiten sind ein tolles Wandergebiet.

Auf dem Weg zur Puez Hütte. Die Dolomiten sind ein tolles Wandergebiet.

 

Tag 17:

Von der Puez Hütte gingen wir dann sehr früh weiter, denn immerhin ist diese Etappe sehr lang. Man merkt hier richtig, dass man in den Dolomiten ist. Die kahlen geraden Berge sind markant und ich habe sie schon mehrmals aus dem Flugzeug deutlich erkennen können. Hinab ging es nach einer Weile bis zum Grödner Joch. Was hier vor sich geht ist kaum zu überbieten. Anfangs nur vereinzelte Touristen kamen uns entgegen. Je tiefer man auf das Joch zusteuert, desto mehr werden es. Und es wurden hunderte, wenn nicht tausende. Italiener, die selbst in Stöckelschuhen den Weg hinauf liefen, soweit es eben ging. Unten im Joch war die Hölle los. Souvenirgeschäfte, Autos, Restaurants und Hotels und alles was der Tourist eben braucht. Wir wollten möglichst schnell weg von hier. Der weitere Aufstieg zur Pisciadu Hütte ist ebenfalls beschwerlich und je weiter man geht, desto weniger Touristen folgen einem. Denn auch auf dieser Seite strömen die Leute nach oben. Nach dem strahlend blauen Himmel kamen auf einmal einzelne Regentropfen und wir wussten ja schon, was kommt. Wir schafften es in nicht einmal einer Minute unsere Regensachen anzuziehen. Es hagelte aber derart heftig nach unten, dass es selbst unter der Kapuze ziemlich weh tat. Stephan war außer Sichtweite und Lena und ich rannten nach unten. Als Stephan nicht rauskam und das Wetter immer schlimmer wurde verpackte ich mich und rannte den Berg wieder hoch. Irgendwann fand ich ihn. Er hatte sich den Fuß umgeknickt und konnte nicht mehr weiter. Ich nahm ihm den Rucksack ab und stützte ihn, damit wir endlich von diesem Berg runterkamen. Lena hatte schon Angst um uns, aber am Funkgerät konnte ich sie zum Glück beruhigen. Unten angekommen waren wir komplett durchgefroren und durchnässt. Nicht alle Kleidungsstücke haben gehalten, was sie versprochen haben. Zum Beispiel meine Regenhose. Allerdings habe ich sie auch in der Hektik nicht richtig zugezogen. Wir waren sehr demotiviert und Stephan, der ja noch keinen Hagel erlebt hatte, wollte am liebsten aufhören. Letztendlich gingen wir dann doch weiter. Denn kaum hatte sich das Wetter beruhigt, strahlte die Sonne und nach dem Aufstieg landeten wir tatsächlich auf der atemberaubenden Pisciadu Hütte. Es hatte sich alles doch gelohnt.

 

Aufstieg zur Pisciadu Hütte. Plötzlich ist alles schön und die Wolken unter uns.

Aufstieg zur Pisciadu Hütte. Plötzlich ist alles schön und die Wolken unter uns.

Aufstieg zur Pisciadu Hütte. Am Grödner Joch unten ist die Hölle los mit Touristen.

Aufstieg zur Pisciadu Hütte. Am Grödner Joch unten ist die Hölle los mit Touristen.

Die Pisciadu Hütte hat eine der schönsten Lagen mit einer beeindruckenden Aussicht.

Die Pisciadu Hütte hat eine der schönsten Lagen mit einer beeindruckenden Aussicht.

Ausblick von der Pisciadu Hütte.

Ausblick von der Pisciadu Hütte.

Tag 18:

Diesen Tag nenne ich Tag des Gerölls, denn wir sind hauptsächlich durch Geröllfelder gelaufen und waren auf dem wahrscheinlich höchsten Punkt unserer ganzen Tour. Am Pisciadu waren wir auf fast 3000 Metern. Hier sieht es aus, wie wahrscheinlich auf dem Mond. Der Weg bis zur Boé Hütte ist nicht weit, aber wir sind anschließend weitergelaufen, während uns immer mehr Touristen entgegenkamen. Selbst das Grödner Joch wurde hier noch übertroffen, vor allem was die Ausstattung der “Wanderer” anging. Wir sind den Weg ins Tal zu Fuß gegangen und unten erwartete uns die gleiche Menge an Menschen, wie ein paar Tage zuvor. Das Joch ließen wir schnell hinter uns und gingen auf der anderen Seite wieder bergauf. Einem langen Weg folgten wir oben, der sich flach am Berg Richtung Fedaia See schlängelte. Auf der privaten Hütte Val de Pan beendeten wir den Tagesmarsch. Die Hütte bietet einen tollen Ausblick auf den See, aber sie ist auch doppelt so teuer als die Alpenvereinshütten. Dennoch hatten wir hier eine gute und vor allem komfortable Bleibe. Auch die anderen hier waren sehr witzig. Ein Spanier bekam einfach sein frisch gewaschenes T-Shirt nicht trocken und so entschied er, es einfach an einem Fahnenmast hochzuziehen.

Am Pisciadu - dem wohl höchsten Punkt unserer Tour. Hier schaut es aus wie auf dem Mond.

Am Pisciadu – dem wohl höchsten Punkt unserer Tour. Hier schaut es aus wie auf dem Mond.

Aufstieg nach der Pisciadu Hütte.

Aufstieg nach der Pisciadu Hütte.

Weg zur Hütte Val de Pan.

Weg zur Hütte Val de Pan.

 

Ausblick am Abend von Val de Pan.

Ausblick am Abend von Val de Pan.

Verrückter Spanier: Hängt sein T-Shirt am Fahnenmast auf.

Verrückter Spanier: Hängt sein T-Shirt am Fahnenmast auf.

Kurz hinter Val de Pan.

Kurz hinter Val de Pan.

Tag 19:

Diese Etappe ist um ehrlich zu sein, nicht besonders schön mit Ausnahme der Schlucht. Sie führt am Fedaia See vorbei, der noch eine schöne Kulisse bietet. Schon kurz dahinter wanderten wir allerdings durch das Skigebiet, was erstens sehr anstrengend mit den Wanderschuhen und zweitens kein schöner Anblick ist. Das nächste ärgerliche ist, dass wir plötzlich vor einer Kasse der Serrai-Schlucht von Sottoguda standen. Die ist zwar schön, ein durchlaufen kostet aber ordentlich Geld. Einen Umweg gab es natürlich nicht. Also wollten wir an der Straße entlang gehen, die sich aber schnell als enge Passstraße mit Tunneln herausstellte. Ein Weitergehen wäre lebensgefährlich. Aber huch, was ist das? Der Hang rechts führt doch wieder in die Schlucht hinein. Natürlich außer Sichtweite der kritisch blickenden Wächter. 😉 Nach der Schlucht liefen wir noch mit ganz schön weiten Umwegen bis Rocca Pietore und nahmen dann über die nicht reizvolle Bundesstraße den Bus bis Alleghe. Hier waren wir endlich am Alleghe See über den wir uns natürlich sehr freuten. Außerdem konnten wir die Vorräte im Supermarkt wieder auffüllen. Aber die Ernüchterung kam bald. Denn der Ort war horrend teuer. Und selbst das günstigste Zimmer lag mehrere Orte weiter und kostete immer noch knapp 50 Euro – pro Person versteht sich. Und so fuhren wir mit dem Bus notgedrungen dort hin und fanden in der Nähe ein Hotel. Natürlich: Fragen kostet ja nichts, auch wenn es teuer aussieht. Ich sprach eine viertel Stunde mit der Besitzerin und da diese merkte, dass wir wirklich nur Wanderer sind und ich ihr sagte, dass wir weder Bettwäsche noch Handtücher brauchen, durften wir dort übernachten. Für 15 Euro pro Person. Auf eine Quittung mussten wir dafür natürlich verzichten. Sie führte uns in ein Stockwerk, das nur unter der Hand vermietet wird. Kommt eine Kontrolle, sagt sie, dass sie diese Zimmer nicht vermietet. Es sind ja nicht mal Handtücher auf den Zimmern. 😉

 

Mitten in der Schafsherde.

Mitten in der Schafsherde.

Schafe, Schafe, Schafe.

Schafe, Schafe, Schafe.

Es dauert, bis die ganze Herde vorbei ist.

Es dauert, bis die ganze Herde vorbei ist.

Kurz vor dem Fedaia See.

Kurz vor dem Fedaia See.

Der See ist bei der Hitze eine willkommene Abwechslung.

Der See ist bei der Hitze eine willkommene Abwechslung.

Der See lädt ein. Und wir nahmen die Einladung natürlich an. Zumindest unsere Füße. ;-) Welch Wohltat!

Der See lädt ein. Und wir nahmen die Einladung natürlich an. Zumindest unsere Füße. 😉 Welch Wohltat!

Diese Schlucht war gratis. ;-)

Diese Schlucht war gratis. 😉

Tag 20:

Heute ging es mit dem Bus zurück nach Alleghe, wo wir frisches Baguette kauften für unsere Mittagspause. Im Anschluss wanderten wir zur Talstation und ließen uns nach oben katapultieren. Von hier ging ein sehr schöner Weg um den Berg herum. Natürlich mussten wir wieder mal ein Geröllfeld nach oben, bis dann die Hütte kam. Wir merkten dabei, dass wir immer weiter südlich kamen, denn die Sonne brannte gerade zu herunter. Auf der ersten Hütte gönnten wir uns eine Pause, um dann weiter zu gehen zur Tissihütte. Die Etappe ist wirklich bildschön, denn man läuft auf einem Plateau und gleichzeitig an kahlen Bergwänden vorbei. Der Gipfel selbst ist was für Nervenkitzel-liebende. Gleich nach dem Gipfelkreuz geht es hunderte Meter gerade nach unten und die Tissihütte liegt nur einige Meter vom Gipfel entfernt. Hier kann man den Tag wirklich gut mit einem herrlichen Sonnenuntergang ausklingen lassen.

 

Kurz vor dem Abgrund. Vor uns liegt Alleghe - und ein hunderte Meter tiefer Abgrund. Der Ausblick vom Plateau der TIssi Hütte.

Kurz vor dem Abgrund. Vor uns liegt Alleghe – und ein hunderte Meter tiefer Abgrund. Der Ausblick vom Plateau der TIssi Hütte.

Auf dem Weg zur Tissi Hütte.

Auf dem Weg zur Tissi Hütte.

Die TIssi Hütte versteckt sich fast schon zwischen den ganzen Felsen.

Die TIssi Hütte versteckt sich fast schon zwischen den ganzen Felsen.

Ausblick vom Plateau.

Ausblick vom Plateau.

Wunderschöner Sonnenuntergang bei der Tissi Hütte.

Wunderschöner Sonnenuntergang bei der Tissi Hütte.

Das Sonnenlicht fällt auch auf die gegenüberliegenden Felsen.

Das Sonnenlicht fällt auch auf die gegenüberliegenden Felsen.

Zeit zum Genießen!

Zeit zum Genießen!

Tag 21:

Drei Wochen. So lange sind wir nun unterwegs und noch immer nicht aus den Alpen heraus. Aber von Frust keine Spur. Wir hatten es ja fast geschafft. Nur noch eine Woche und wir werden in Venedig unsere Pizza essen und Freudentränen weinen. Heute stiegen wir von der Tissihütte ins Tal ab und fuhren mit dem Bus über die Bundesstraße, die wir uns sparen wollten in den wunderschönen Ort Agordo. So wunderschön er auch ist, eine bezahlbare Unterkunft zu finden, ist extrem schwer. Zuerst suchten wir in der Altstadt, wo aber alles viel zu teuer für uns Studenten war und gingen sogar außerhalb des Ortes Kilometer, um eine Unterkunft aus unserem Wanderführer zu finden, aber die gab es nicht mehr. Also wieder zurück in den Ort bis sich doch noch eine Bleibe fand für 25 Euro pro Person in einem sehr heruntergekommenen Hotel. Trotzdem war es sehr sauber und die Besitzerin sehr nett.

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